Essen & Trinken

Kaffee und Kuchen im November – ein Sonntagsausflug nach Brandenburg

Von Jan Heinemann · 4. November 2013 · Zuletzt besucht: November 2013

Kaffee und Kuchen im November – ein Sonntagsausflug nach Brandenburg

In unseren Notizen vom November 2013 steht nicht viel mehr als drei Worte: Kaffee und Kuchen. Kein Ortsname, kein Wanderweg, keine Sehenswürdigkeit. Und genau das ist im Rückblick ziemlich passend, denn an diesem Sonntag war das Kuchenstück das eigentliche Ausflugsziel – alles andere war Beiwerk.

November in Brandenburg ist der Monat, in dem man aufhört, sich etwas vorzumachen. Die Badestellen sind zu, die Ausflugsdampfer liegen an der Kette, die Straußwirtschaften haben geschlossen. Was bleibt, sind Landstraßen, tief hängendes Licht, nasse Felder – und Cafés, in denen um drei Uhr nachmittags das Licht angeht, weil es sonst zu dunkel wäre. Wir sind an dem Sonntag rausgefahren, ohne uns viel vorzunehmen. Ein Stück Landstraße, ein Halt, ein Tisch am Fenster.

Warum Kaffee und Kuchen im November das ganze Programm sein darf

Wir haben in Brandenburg schon oft die Erfahrung gemacht, dass ein Ausflug mit Ziel im November nicht funktioniert. Man kommt an, es nieselt, das Museum schließt um 16 Uhr, der Rundweg ist matschig, und nach zwanzig Minuten ist allen kalt. Ein Ausflug ohne Ziel funktioniert dagegen erstaunlich gut – vorausgesetzt, es gibt irgendwo Kaffee.

Deshalb war unser Plan an diesem Sonntag denkbar schlicht: rausfahren, ein Café finden, sitzen bleiben, bis es dunkel wird. Das ist keine große Reiseerzählung, aber es ist ehrlich. Und es ist reproduzierbar. Wir mögen an solchen Nachmittagen besonders, dass niemand mehr etwas erwartet – nicht die Gastgeber, nicht die Gäste. Im Sommer sind Brandenburger Ausflugscafés voll, laut und im Zweifel überfordert. Im November sitzen drei Tische besetzt, und man bekommt ein Gespräch über das Wetter dazu.

Der Kuchen ist in Brandenburg selten Patisserie. Er ist Blechkuchen: Streusel, Pflaume, Käsekuchen, Bienenstich, Eierschecke, im November gerne Apfel. Manchmal steht die Kuchentheke in einem Gastraum mit Gardinen und Kunstblumen, manchmal in einem sanierten Gutshaus mit Designerlampen. Beides kann gut sein. Der Kaffee ist Filterkaffee oder kommt aus einem Automaten, der bei jedem Knopfdruck stöhnt. Wer Flat White in Latte-Art erwartet, fährt besser nach Potsdam oder bleibt in Berlin.

Wenn man eine Idee braucht, wo genau man das machen kann: Wir haben ähnliche Nachmittage später zum Beispiel im Café Drei Kaehne in Petzow verbracht, das an einen Schlossgarten grenzt, oder in der Waldschenke Stendenitz im Ruppiner Seenland. Und wer den November nicht nur absitzen, sondern kurz auch etwas anschauen will, kombiniert den Kaffee mit einem Halt wie Kloster Lehnin im November – zwanzig Minuten Backstein, dann rein ins Warme.

Anfahrt

Für einen Ausflug, dessen Ziel ein Kuchenstück ist, braucht man keine ausgefeilte Route. Mit dem Auto geht es ab Berlin in jede Richtung: über die A24 nach Nordwesten Richtung Prignitz und Ruppiner Seenland, über die A11 Richtung Barnim und Uckermark, über die A12 Richtung Seenland Oder-Spree, über die A9 oder A10 Richtung Fläming und Potsdam. Wir raten dazu, die Autobahn früh zu verlassen und den Rest über Bundes- und Landstraßen zu fahren – da liegen die Cafés, die man von der Autobahn aus nie sieht.

Mit dem ÖPNV funktioniert das Prinzip auch, braucht aber mehr Planung. Praktisch sind die Regionalexpress-Linien, die von Berlin sternförmig hinausfahren: RE1 nach Brandenburg an der Havel und nach Frankfurt (Oder), RE3 nach Eberswalde und Templin-Richtung, RE5 nach Oranienburg und Neuruppin, RE6 in Richtung Prignitz, RB24/RE2 in Richtung Königs Wusterhausen und Lübbenau. Wichtig: Am Sonntag im November fahren viele Regionalbusse ab dem Bahnhof nur selten oder gar nicht. Wer ohne Auto unterwegs ist, sucht sich am besten ein Café in Fußweite eines Bahnhofs – in Brandenburger Kleinstädten ist das oft der Marktplatz.

Parken ist in dieser Jahreszeit überall unproblematisch. Die Parkplätze an Seen und Ausflugslokalen, die im Juli hoffnungslos überfüllt sind, sind im November leer.

Beste Jahreszeit

Ehrlich gesagt: Kaffee und Kuchen gehen immer. Aber der November hat für diese Art Ausflug einen echten Vorteil. Man sitzt nicht drinnen, weil man drinnen sitzen muss, sondern weil es die logische Konsequenz des Wetters ist. Kein schlechtes Gewissen, keine Konkurrenz zum Badesee.

Der Nachteil ist die Dunkelheit. Ende November ist es gegen 16 Uhr praktisch Nacht, und viele Ausflugscafés außerhalb der Städte schließen im Winterhalbjahr früher, an einzelnen Wochentagen ganz oder machen von November bis März Betriebsferien. Wer also den Novembersonntag plant, sollte spätestens um 13 Uhr in Berlin losfahren – und vorher anrufen oder auf der Website nachsehen, ob geöffnet ist. Das ist der einzige Punkt, an dem dieser sehr entspannte Ausflug tatsächlich Vorbereitung braucht.

Kosten

Der Ausflug selbst kostet nichts außer Anfahrt. Für Kaffee und Kuchen haben wir in Brandenburg über die Jahre meist zwischen 6 und 9 Euro pro Person gezahlt – ein Stück Blechkuchen liegt heute oft bei 3,50 bis 5 Euro, eine Kanne oder Tasse Kaffee bei 3 bis 4,50 Euro. In Cafés an prominenten Orten, etwa in Potsdam oder an bekannten Seen, kann es deutlich teurer werden. Zu unserem Besuch 2013 war es merklich günstiger; die Zahlen hier sind der heutige Erfahrungswert.

Ein Hinweis, der auf dem Land noch immer relevant ist: Viele kleine Gaststätten und Hofcafés nehmen ausschließlich Bargeld. Vor der Abfahrt Geld ziehen ist keine schlechte Idee.

Unsere Tipps

Häufige Fragen

Braucht man für so einen Ausflug ein Auto?

Es macht die Sache viel einfacher, weil man spontan anhalten kann. Ohne Auto klappt es auch – dann aber besser mit einem konkreten Ziel in Bahnhofsnähe, weil Regionalbusse sonntags im Winter kaum fahren.

Wie lange sollte man einplanen?

Wir waren einen halben Tag unterwegs, mit gemütlicher Anfahrt über Landstraßen, einer längeren Kaffeepause und Rückfahrt. Wer einen kurzen Spaziergang oder eine Kirche dazunimmt, ist bei fünf bis sechs Stunden.

Lohnt sich Brandenburg im November überhaupt?

Wenn man mit realistischen Erwartungen fährt, ja. Seen, Bäder und Bootstouren fallen weg, dafür ist alles leer und das Licht auf den Feldern ist besser als im Hochsommer. Für Innenprogramm – Café, Museum, Therme – ist der Monat gut geeignet.

Wo bekommt man in Brandenburg guten Kuchen?

Verlässlich in Hofcafés, Landgasthöfen und Bäckereien mit Café-Ecke. Wir sind mit Blechkuchen fast immer gut gefahren, mit Torten seltener. Konkrete Empfehlungen sammeln wir laufend in unseren Essen-und-Trinken-Berichten.