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Neumanns Erntegarten in Potsdam – Kirschen und Äpfel selbst pflücken

Von Jan Heinemann · 27. November 2015 · Zuletzt besucht: Juli 2023 · Region: Potsdam & Havelseen

Neumanns Erntegarten in Potsdam – Kirschen und Äpfel selbst pflücken

Am nördlichen Rand von Potsdam, am Heineberg, steht eine Obstplantage mit alten Kirschbäumen und einem Blick, der einen kurz stehen bleiben lässt. Wir waren viermal da – erst zur Apfelernte im November, zuletzt im Juli für Kirschen. Das Obst ist gut, das Café eher solide. Aber darum geht es hier ja auch nicht.

Kirschen pflücken mit Freunden

Einmal im Jahr fahren wir mit unseren alten Nachbarn – inzwischen Freunde – Kirschen pflücken. Danach wird gemeinsam eingekocht: Marmelade, Likör, das ganze Programm. Unser Stammhof ist eigentlich ein anderer, aber 2023 wollten wir etwas Neues ausprobieren und sind bei Neumanns Erntegarten gelandet.

Die Bäume dort sind alt gewachsen, keine niedrigen Spalierreihen, wie man sie von vielen modernen Plantagen kennt. Das heißt: Die besten Kirschen hängen oben. Genau deshalb stehen auf dem Gelände freistehende Leitern herum, die man sich einfach nehmen kann. Man klettert hoch, hängt den Eimer in die Zweige, pflückt – und isst zwischendurch mehr, als man zugeben würde. Echtes Selbstpflücke-Feeling, das man auf vielen Höfen so nicht mehr bekommt.

Dazu kommt der Blick. Der Erntegarten liegt leicht erhöht über der Havellandschaft, und wenn man auf der Leiter steht und sich umdreht, hat man die halbe Gegend vor sich. Das ist der eigentliche Grund, warum wir wiederkommen würden.

Ein Nachmittag reicht locker für mehrere Kilo. Gewogen wird am Ausgang, bezahlt nach Gewicht. Was wir daraus gemacht haben: Kirschmarmelade, die bis in den Winter reicht, und Kirschlikör, der noch länger hält – wenn man diszipliniert ist.

Äpfel im November

Unser erster Besuch lag lange davor, im November zur Apfelernte. Auch das funktioniert hier: Spätsorten, kühle Luft, Gummistiefel. Wer im Herbst kommt, hat deutlich weniger Betrieb als an einem heißen Julisonntag – dafür auch nicht mehr die volle Auswahl. Die Saison verschiebt sich je nach Jahr; ein Blick auf die offizielle Website vor der Fahrt lohnt sich, weil dort steht, was gerade reif und offen ist.

Das Café statt des Hofladens

Ehrlich gesagt: Den Hofladen, den es früher gab, vermissen wir. An seiner Stelle ist ein Café eingezogen, und das ist – vorsichtig formuliert – okay. Kaffee, Kuchen, ausreichend. Wer wegen der Gastronomie hinfährt, wird eher enttäuscht sein. Wer wegen des Obstes kommt, kann sich danach draufsetzen und die Beine ausstrecken. Für Kaffee und Kuchen mit Anspruch fahren wir lieber ins Café Drei Kaehne in Petzow oder gleich weiter nach Caputh.

Anfahrt

Der Erntegarten liegt in Potsdam Nord, Am Heineberg 2, also am Stadtrand Richtung Havelland. Mit dem Auto ab Berlin über die A115 oder die B2 nach Potsdam und dann nordwestlich aus der Stadt heraus – rund 45 Minuten ab Berlin-Mitte, deutlich weniger aus dem Berliner Südwesten. Auf dem Hofgelände kann man parken.

Mit ÖPNV ist es machbar, aber nicht bequem: Mit der S7 oder dem Regionalexpress bis Potsdam Hauptbahnhof, von dort mit Tram und Bus Richtung Potsdam Nord. Das letzte Stück geht zu Fuß. Wer mehrere Kilo Obst plant, sollte sich das gut überlegen – volle Eimer im Bus sind kein Vergnügen. Fahrrad ist eine gute Alternative, wenn man ohnehin in Potsdam startet.

Beste Jahreszeit

Juli ist die Zeit für Kirschen, und das ist auch der schönste Moment hier – die alten Bäume tragen, das Licht ist gut, die Leitern stehen bereit. Wer es ruhiger mag, kommt unter der Woche oder am späten Nachmittag. Im Spätsommer und Herbst geht es mit Äpfeln und anderen Spätsorten weiter, bis in den November hinein. Im Frühjahr blüht es, aber gepflückt wird dann natürlich nichts – dafür lohnt in der Zeit ein Abstecher zur Obstblüte in der Alexandrowka mitten in Potsdam.

Kosten

Bezahlt wird nach Gewicht, gewogen wird beim Rausgehen. Kirschen lagen bei unserem Besuch im Juli 2023 im üblichen Selbstpflücke-Rahmen von etwa 3 bis 5 Euro pro Kilo, Äpfel deutlich darunter. Die genauen Preise ändern sich jährlich und je nach Sorte – die aktuellen Angaben stehen auf der Website des Hofes. Der Eintritt aufs Gelände kostet nichts, Eimer und Leitern stehen zur Verfügung.

Unsere Tipps

Häufige Fragen

Was kann man bei Neumanns Erntegarten selbst pflücken?

Je nach Saison Kirschen im Sommer und Äpfel im Herbst bis in den November hinein. Was gerade reif ist, steht auf der Website des Hofes – ein Anruf oder ein Blick ins Netz vor der Fahrt spart Enttäuschungen.

Gibt es noch einen Hofladen?

Nein. Den früheren Hofladen gibt es nicht mehr, an seiner Stelle ist ein Café eingezogen. Wer Obst mitnehmen will, pflückt selbst.

Ist der Erntegarten für Kinder geeignet?

Grundsätzlich ja, das Gelände ist offen und übersichtlich. Bei den Leitern sollte man Kinder aber im Blick behalten – die stehen frei und werden an die Bäume gelehnt.

Kommt man ohne Auto hin?

Es geht, ist aber umständlich: Regionalzug oder S7 bis Potsdam Hauptbahnhof, dann mit Tram und Bus Richtung Potsdam Nord und ein Stück zu Fuß. Mit mehreren Kilo Obst im Gepäck ist das Auto oder Fahrrad die entspanntere Wahl.