Stadtbummel in Brandenburg an der Havel

Brandenburg an der Havel ist die Stadt, die dem ganzen Bundesland den Namen gegeben hat – und trotzdem fahren die meisten Berliner:innen im RE1 einfach dran vorbei Richtung Magdeburg. Wir sind im Mai 2013 ausgestiegen und einen Tag lang durch die drei historischen Stadtteile gelaufen. Was hängen geblieben ist: viel Wasser, drei sehr unterschiedliche Kirchen und eine Innenstadt, die zwischen sorgfältig saniert und noch nicht angefasst hin- und herspringt.
Der Tag: drei Inseln, drei Zentren
Brandenburg ist keine Stadt mit einem Zentrum, sondern mit dreien. Das ist historisch gewachsen – Dominsel, Altstadt und Neustadt waren jahrhundertelang eigenständige Gemeinwesen mit eigenen Rathäusern, eigenen Kirchen und eigenem Stolz. Zusammengelegt wurden sie erst 1715. Man merkt das beim Laufen: Man überquert ständig Wasser, und hinter jeder Brücke fühlt sich die Stadt ein bisschen anders an.
Wir haben mit der Dominsel angefangen, weil sie am ruhigsten ist. Der Dom St. Peter und Paul steht seit 1165 dort, wurde als romanische Basilika begonnen und später gotisch umgebaut – von außen ein wuchtiger Backsteinklotz, von innen überraschend hell. Rundherum liegt ein kleines Ensemble aus Domkurien und Gärten, in dem an einem Wochentag im Mai fast nichts los war. Das ist der Teil der Stadt, an den wir uns am deutlichsten erinnern: Ziegel, altes Laub, Vogelgezwitscher, im Hintergrund Wasser.
Danach über die Brücke in die Altstadt mit der Sankt-Gotthardt-Kirche und dem Altstädtischen Rathaus. Der Neustadt gehört das zweite, prächtigere Rathaus, vor dem der steinerne Roland steht – über fünf Meter hoch, ein Symbol für die alten Stadtrechte. Und die Katharinenkirche, die für uns das eigentliche Highlight war: norddeutsche Backsteingotik in ihrer angeberischsten Form, mit Maßwerk und Zierziegeln, an denen man sich festgucken kann.
Dazwischen: die Reste der Stadtbefestigung. Vier mittelalterliche Tortürme haben überlebt – Steintorturm, Rathenower Torturm, Plauer Torturm und der Mühlentorturm. Für eine Stadt dieser Größe ist das eine erstaunliche Bilanz.
Ehrlicherweise: Wir haben damals fotografiert statt Notizen gemacht, und zwar mit der Hipstamatic-App, was 2013 State of the Art war und heute aussieht, als hätte jemand Kaffee über die Bilder geschüttet. Kulinarisch können wir deshalb nichts Belastbares empfehlen – wir haben irgendwo einen Kaffee getrunken und wissen nicht mehr, wo. Wer bessere Tipps für die Gegend sucht, findet in unserem älteren Text über Brandenburg an der Havel noch ein paar Eindrücke aus einem anderen Besuch.
Was man in einem Tag nicht schafft und wir uns fürs nächste Mal aufgehoben haben: das Archäologische Landesmuseum im ehemaligen Paulikloster, das Industriemuseum mit dem letzten erhaltenen Siemens-Martin-Ofen Europas, und eine Fahrt raus auf den Beetzsee. Brandenburg ist eine Wassersportstadt, die Regattastrecke auf dem Beetzsee ist national bekannt.
Anfahrt
Mit der Bahn: Der RE1 fährt von Berlin Ostbahnhof über Alexanderplatz, Hauptbahnhof, Zoo und Potsdam direkt nach Brandenburg Hauptbahnhof. Ab Berlin Hauptbahnhof ist man in gut 50 Minuten da, ab Potsdam in gut 30. Der RE1 fährt tagsüber im Halbstundentakt – das ist für Brandenburger Verhältnisse luxuriös. Vom Hauptbahnhof zur Neustadt sind es etwa 15 Minuten zu Fuß, zur Dominsel eine gute halbe Stunde. Innerhalb der Stadt gibt es außerdem eine Straßenbahn.
Wichtig fürs Ticket: Brandenburg an der Havel liegt außerhalb des VBB-Bereichs C. Man braucht ein Ticket bis zur Zielzone oder gleich das Brandenburg-Berlin-Ticket, das sich zu zweit fast immer lohnt.
Mit dem Auto: Über die A2 (Abfahrt Brandenburg an der Havel) oder die B1 durch Potsdam und Groß Kreutz – letzteres ist die langsamere, aber deutlich hübschere Variante. Fahrzeit ab Berlin je nach Startpunkt etwa eine Stunde. In der Innenstadt gibt es bewirtschaftete Parkplätze und Parkhäuser; wir würden das Auto am Rand der Altstadt abstellen und den Rest laufen, weil die Wege zwischen den drei Stadtteilen ohnehin kurz sind.
Beste Jahreszeit
Mai war gut. Die Stadt lebt vom Wasser und von Backstein, und beides sieht bei Sonne einfach besser aus als bei Nieselregen. Frühling und Frühsommer sind aus unserer Sicht ideal: warm genug für lange Fußwege, aber ohne die Hitze, die sich zwischen den Häusern staut.
Hochsommer geht auch, dann kann man den Tag mit Beetzsee oder Bootstour kombinieren. Der Herbst ist eine ehrliche Alternative, weil die Dominsel im Oktoberlicht sehr gut aussieht. Der Winter ist ehrlich gesagt nichts für Brandenburg an der Havel – die Stadt ist zu ausgedehnt für einen kurzen Tag, und viele der Reize liegen draußen. Dann fährt man besser in eine kompaktere Anlage wie Kloster Lehnin, das ganz in der Nähe liegt.
Kosten
Der Stadtrundgang selbst kostet nichts. Altstadt, Neustadt, Dominsel, die Tortürme von außen, die Uferwege – alles frei zugänglich.
Der Dom ist regulär ohne Eintritt zu besichtigen, um eine Spende wird gebeten. Für das Dommuseum, das Archäologische Landesmuseum und das Industriemuseum fallen jeweils Eintritte im einstelligen Eurobereich an. Preise und Öffnungszeiten haben sich seit unserem Besuch geändert – bitte vorher auf den Seiten der jeweiligen Häuser nachsehen. Dazu kommen Bahnfahrt und Verpflegung. Als Tagesausflug ab Berlin kommt man zu zweit mit Bahn und einem Museumsbesuch gut unter 50 Euro weg.
Unsere Tipps
- Mit der Dominsel anfangen, nicht aufhören. Sie ist der ruhigste Teil der Stadt und am Morgen fast menschenleer. Am Nachmittag ist die Neustadt lebendiger – die Reihenfolge passt also besser.
- Zu Fuß bleiben. Die Wege zwischen den drei Stadtteilen sind kurz, und die schönsten Momente entstehen auf den Brücken über die Havelarme.
- Brandenburg-Berlin-Ticket kaufen, wenn ihr zu zweit oder in einer Gruppe unterwegs seid. Es gilt im ganzen Land und deckt auch die Straßenbahn vor Ort ab.
- Einen halben Tag Reserve einplanen. Wir haben die Museen nicht geschafft und es bereut. Wer das Industriemuseum sehen will, sollte das fest einplanen statt hoffen.
- Nicht mit Potsdam vergleichen. Brandenburg ist keine Schlossstadt, sondern eine alte Handels- und Industriestadt. Wer preußische Perfektion erwartet, wird enttäuscht. Wer Backstein, Wasser und Brüche mag, nicht.
Häufige Fragen
Lohnt sich Brandenburg an der Havel als Tagesausflug ab Berlin?
Ja. Die Anreise mit dem RE1 dauert unter einer Stunde, und die drei historischen Stadtteile lassen sich an einem Tag zu Fuß erschließen. Wer zusätzlich ein Museum oder eine Bootsfahrt einbauen will, braucht allerdings einen langen Tag oder eine Übernachtung.
Was muss man in Brandenburg an der Havel gesehen haben?
Den Dom St. Peter und Paul auf der Dominsel, die Katharinenkirche in der Neustadt, das Altstädtische Rathaus mit dem Roland und mindestens einen der vier erhaltenen mittelalterlichen Tortürme. Das ist die Grundausstattung eines Tages.
Kann man die Stadt gut ohne Auto besuchen?
Sehr gut sogar. Der RE1 hält im Halbstundentakt, der Hauptbahnhof liegt fußläufig zur Innenstadt, und es gibt ein Straßenbahnnetz. Brandenburg gehört zu den Brandenburger Zielen, für die man definitiv kein Auto braucht.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Für einen reinen Stadtrundgang durch alle drei Stadtteile inklusive Pausen etwa vier bis fünf Stunden. Mit Museum oder Ausflug an den Beetzsee wird es ein voller Tag.
