Natur

Wolken über Brandenburg – ein Maiausflug ohne Ziel

Von Jan Heinemann · 25. Mai 2013 · Zuletzt besucht: Mai 2013

Wolken über Brandenburg – ein Maiausflug ohne Ziel

Manchmal fahren wir raus, ohne uns vorher etwas vorzunehmen. So war das im Mai 2013: kein Schloss, kein See, keine Einkehr auf der Liste. Am Ende des Tages hatten wir vor allem Fotos vom Himmel auf dem Telefon – Wolken über flachem Land, aufgenommen mit Hipstamatic, weil das damals alle so gemacht haben.

Das klingt nach wenig. Ist es auch. Aber es ist eine ziemlich brandenburgische Art, einen Tag zu verbringen, und wir würden sie jederzeit wieder empfehlen.

Warum der Himmel hier so groß wirkt

Brandenburg ist flach. Nicht überall pfannkuchenflach, aber flach genug, dass der Horizont selten von Bergen unterbrochen wird. Dazu kommen die Feldergrößen: Wo in Süddeutschland ein Acker aufhört und der nächste anfängt, geht es hier oft noch einen Kilometer weiter. Das Ergebnis ist ein Verhältnis von Land zu Himmel, das man aus der Stadt nicht kennt. In Berlin sieht man Wolken zwischen Häusern. Hier sieht man sie ganze Wetterlagen lang.

Der Mai ist dafür besonders gut. Die Luft ist labil, tagsüber heizt sich der Boden auf, und über den Kiefernwäldern und Rapsfeldern bauen sich am Nachmittag Quellwolken auf, die man beim Fahren wachsen sieht. Manchmal wird daraus ein Gewitter, manchmal löst sich alles bis zum Abend wieder auf. Beides ist von einem Feldweg aus unterhaltsamer als vom Balkon.

Wir sind an dem Tag hauptsächlich Landstraße gefahren, immer wieder angehalten, ausgestiegen, fotografiert. Wenn man ehrlich ist, ist das die eigentliche Tätigkeit: anhalten, wo es keinen Grund zum Anhalten gibt. Alleen, Feldwege, ein Kirchturm irgendwo hinten links. Es passiert nichts, und genau das ist der Punkt.

Was so ein Tag mit einem macht

Wir haben schon oft gemerkt, dass unsere liebsten Brandenburg-Tage nicht die durchgeplanten sind. Ein Ziel setzt einen unter Druck: hinkommen, ansehen, bewerten, weiterfahren. Ohne Ziel wird der Weg zur Sache. Man fährt durch Dörfer, in denen man sonst nie halten würde, sieht Kopfsteinpflaster, Backsteinställe, ein geschlossenes Konsum-Gebäude, einen Storch auf dem Schornstein.

Wer daraus mehr machen will, kombiniert das Ziellose mit einem losen Rahmen: eine Region, eine Himmelsrichtung, eine ungefähre Rückkehrzeit. Wir haben das später öfter so gemacht und darüber auch in Unterwegs durch Brandenburg geschrieben. Für Weite in Reinform funktionieren aus unserer Erfahrung besonders gut das Oderbruch mit seinen Entwässerungsgräben und geraden Straßen sowie die Polderlandschaft im Unteren Odertal. Beide Gegenden haben das, was man für Wolkenfotos braucht: eine tiefe Horizontlinie und wenig Gestrüpp davor.

Anfahrt

Einen festen Zielpunkt gibt es bei dieser Art Ausflug naturgemäß nicht. Mit dem Auto kommt man am flexibelsten voran – raus aus Berlin über die A11 (Richtung Norden, Barnim und Uckermark), die A12 (Richtung Osten, Oder-Spree), die A13 (Richtung Süden, Dahme-Seenland und Lausitz) oder die A24 (Richtung Nordwesten, Prignitz und Ruppiner Seenland). Wichtig ist danach: möglichst früh runter von der Autobahn und auf Bundes- und Landstraßen wechseln. Die Alleen im Nordosten und die schnurgeraden Straßen im Oderbruch sind die eigentliche Strecke.

Ohne Auto geht es auch, nur anders. Man nimmt den Regionalzug bis irgendwohin – RE3 Richtung Eberswalde und Angermünde, RE1 Richtung Frankfurt (Oder), RB26 ins Oderland – und läuft oder radelt ab Bahnhof ins Offene. Das VBB-Netz reicht weiter, als viele denken; das Brandenburg-Berlin-Ticket lohnt sich zu zweit fast immer. Fahrradmitnahme ist am Wochenende möglich, aber im Frühjahr bei gutem Wetter gern voll.

Beste Jahreszeit

Mai und Juni sind unsere Favoriten für diese Art Ausflug: Quellwolken am Nachmittag, blühender Raps als Vordergrund, lange Abende. Der September funktioniert ähnlich gut, mit klarerer Luft und wärmerem Licht. Im Hochsommer ist der Himmel bei Hitze oft einfach nur weiß-blau und langweilig, im Winter hängt häufig eine geschlossene graue Schicht über allem – dann sieht man keine Wolken, sondern nur Deckel.

Grundsätzlich gilt: Ein Tag mit durchziehenden Schauern ist fotografisch spannender als ein Tag mit Dauersonne. Ein bisschen Risiko gehört dazu.

Kosten

Nichts, außer Sprit oder Bahnticket. Kein Eintritt, keine Reservierung, keine Öffnungszeiten. Wenn man unterwegs einkehrt, kommen Kaffee und Kuchen dazu – aber das ist optional und war bei uns an dem Tag nicht eingeplant.

Unsere Tipps

Häufige Fragen

Wo in Brandenburg ist der Himmel am „größten”?

Aus unserer Erfahrung in den offenen Agrarlandschaften: Oderbruch, Unteres Odertal, die Feldfluren der Uckermark und die Prignitz. Überall dort gibt es weite Sichtachsen ohne Wald davor. In den Waldgebieten der Schorfheide oder rund um die Seen sieht man dagegen vor allem Baumkronen.

Lohnt sich so ein Ausflug ohne Auto?

Ja, aber mit Anpassung. Mit dem Rad ab einem Regionalbahnhof kommt man in ein bis zwei Stunden in offenes Land, und man hat mehr davon als hinter der Windschutzscheibe. Rein zu Fuß braucht es einen Bahnhof, der schon nah an der Feldflur liegt – im Oderbruch oder Barnim gibt es davon einige.

Wie lange sollte man einplanen?

Ein halber Tag reicht, wenn man aus Berlin startet und in eine Richtung fährt. Realistisch werden es meist sechs bis acht Stunden mit Pausen, weil man ständig anhält.

Braucht man eine gute Kamera?

Nein. Unsere Bilder von damals sind mit dem Telefon und Hipstamatic entstanden, also mit einer App, die absichtlich Vignette und Farbstich draufgelegt hat. Für Wolken ist das Handy völlig ausreichend – wichtiger ist, dass man rechtzeitig anhält.