Waldbad Liepnitzsee im Mai

Der Liepnitzsee ist einer dieser Seen, bei denen man beim ersten Blick ins Wasser kurz verstummt. So klar ist das. Wir waren im Mai 2013 am Waldbad an der Ützdorfer Seite – zu einer Zeit, in der die Saison gerade erst anläuft und der See noch weitgehend sich selbst gehört.
Was den Ort ausmacht, ist die Kombination aus Wasser und Wald. Der See liegt in einer Rinne, ringsum steigen Kiefern- und Buchenhänge an, es gibt kaum Bebauung am Ufer und keine Straße, die direkt heranführt. Man parkt oder steigt aus dem Bus, läuft ein Stück durch den Wald – und dann ist da dieses grün-türkise Wasser, das im Mai noch die Farbe hat, die es später im Sommer nur an guten Tagen hat.
Das Waldbad und der Mai
Das Waldbad Liepnitzsee ist ein klassisches Naturbad: Liegewiese, ein Streifen Sandstrand, Bäume, die Schatten machen, ein Kiosk, sanitäre Anlagen. Kein Rutschenturm, kein Beschallungsprogramm. Genau deshalb mögen wir es.
Im Mai muss man allerdings ehrlich sein: Der See ist kalt. Der Liepnitzsee ist tief – über 20 Meter an der tiefsten Stelle – und braucht entsprechend lange, bis er sich aufwärmt. Wer im Mai hineingeht, geht kurz hinein. Wir haben es beim Füßebaden belassen und die Zeit lieber am Ufer und im Wald verbracht. Dafür hat man den Platz fast für sich: keine Schlange am Kiosk, keine Handtuchdichte wie im Juli, und die Buchen tragen dieses helle, fast durchsichtige Frühlingsgrün, das nur ein paar Wochen hält.
Auch die frühe Saison hat ihre Tücken. Vor Beginn der Badesaison – meist ab Mitte Mai, je nach Wetter – ist am Waldbad nicht alles geöffnet, Kiosk und Bootsverleih laufen dann noch auf Sparflamme. Wer sicher gehen will, schaut vorher nach oder bringt sich Proviant mit. Ein Ausflug ist es trotzdem, denn der Rundweg um den See funktioniert das ganze Jahr.
Zum See gehört die Insel Großer Werder, auf die im Sommer eine kleine Ruderfähre übersetzt. Auf der Insel gibt es eine einfache Gaststätte und Badestellen. Im Mai ist die Fähre je nach Jahr und Wetter erst am Anlaufen – auch das lieber vorher prüfen, sonst steht man am Steg und schaut aufs Wasser.
Wer mehr laufen als liegen will: Der Weg rund um den See ist knapp sieben Kilometer lang, führt fast durchgehend durch Wald und ist auch mit Kindern gut machbar. Wir haben ihn bei anderen Gelegenheiten gemacht und darüber im Beitrag Waldspaziergang am Liepnitzsee geschrieben. Und wie das Ganze im September aussieht, wenn das Wasser endlich warm und die Wiese wieder leer ist, steht im Altweibersommer im Waldbad Liepnitzsee.
Anfahrt
Der Liepnitzsee liegt im Landkreis Barnim zwischen Wandlitz und Bernau, rund 35 Kilometer nördlich der Berliner Innenstadt. Das Waldbad befindet sich am Ostufer bei Ützdorf.
Mit den Öffentlichen: Mit der S-Bahn S2 oder der Regionalbahn bis Bernau, von dort mit dem Bus Richtung Wandlitz bis Ützdorf. Vom Bahnhof Wandlitzsee (Heidekrautbahn) sind es zu Fuß etwa vier Kilometer durch den Wald bis ans Ufer – ein hübscher Anmarsch, wenn man Zeit hat. Die Busse fahren am Wochenende deutlich seltener als werktags; Rückfahrt vorher anschauen, sonst wird der Nachmittag länger als geplant. Der Tarifbereich Berlin ABC reicht bis Bernau, für Ützdorf braucht man ein Anschlussticket.
Mit dem Auto: Über die A11 (Abfahrt Bernau-Süd) oder die B109 Richtung Wandlitz, dann nach Ützdorf. Direkt ans Ufer kommt man nicht – es gibt Parkplätze oberhalb, von dort läuft man wenige Minuten zu Fuß hinunter. Das Parken ist kostenpflichtig, und an heißen Sommerwochenenden sind die Plätze am frühen Vormittag voll. Wildparken wird im Ort konsequent geahndet.
Mit dem Rad: Von Bernau aus gut zu fahren, gut ausgeschilderte Waldwege. Fahrradmitnahme in der S2 ist die entspannteste Variante.
Beste Jahreszeit
Zum Baden: Juli bis September. Der See ist tief und braucht lange, bis er warm wird – im September ist er oft angenehmer als im Juni. Der Mai ist etwas für Leute, die den See vor allem sehen und umrunden wollen: klares Wasser, frisches Laub, wenig Betrieb, aber kaltes Bad und noch nicht alles geöffnet.
Hochsommerliche Wochenenden würden wir meiden oder sehr früh anreisen. Der Liepnitzsee ist unter Berliner:innen kein Geheimnis mehr, und die Zufahrtssituation in Ützdorf ist eng. Herbst und Winter sind für den Rundweg sehr schön – dann liegt der See fast leer da.
Kosten
Das Waldbad Liepnitzsee erhebt in der Badesaison einen kleinen Eintritt im niedrigen einstelligen Euro-Bereich, ermäßigt für Kinder. Dazu kommt die Parkgebühr, wenn man mit dem Auto anreist. Die Fähre zur Insel Großer Werder kostet ebenfalls ein paar Euro pro Person und Fahrt. Außerhalb der Badesaison sind Rundweg und Ufer frei zugänglich.
Das ist der Stand unseres Besuchs und späterer Touren – die aktuellen Preise und die Öffnungszeiten der Saison stehen auf den Seiten der Gemeinde Wandlitz beziehungsweise des Badbetreibers.
Unsere Tipps
- Früh kommen. An warmen Wochenenden sind Parkplätze und Liegewiese ab dem späten Vormittag voll. Vor 10 Uhr ist es entspannt.
- Bargeld mitnehmen. Eintritt, Parken und Fähre laufen erfahrungsgemäß nicht überall bargeldlos.
- Den Rundweg einplanen. Knapp sieben Kilometer, gut zwei Stunden mit Pausen – die schönsten Blicke aufs Wasser hat man nicht vom Bad, sondern von den Hängen dazwischen.
- Im Mai Proviant einpacken. Vor Saisonstart ist der Kiosk nicht verlässlich geöffnet.
- Kombinieren. Ganz in der Nähe liegt der Bogensee mit der ehemaligen Jugendschule Wilhelm Pieck – ein völlig anderer, aber lohnender Zwischenstopp auf dem Rückweg.
Häufige Fragen
Kann man im Mai im Liepnitzsee baden?
Kann man, aber der See ist tief und entsprechend kalt. Ein kurzer Sprung ins Wasser ist drin, längeres Schwimmen macht erst ab Hochsommer richtig Spaß.
Kommt man ohne Auto zum Liepnitzsee?
Ja. S2 oder Regionalbahn bis Bernau, weiter mit dem Bus nach Ützdorf. Alternativ mit der Heidekrautbahn nach Wandlitzsee und rund vier Kilometer zu Fuß durch den Wald. Am Wochenende unbedingt die Rückfahrtzeiten prüfen.
Was kostet der Eintritt ins Waldbad?
Ein kleiner Betrag im niedrigen einstelligen Euro-Bereich während der Badesaison, dazu Parkgebühren. Außerhalb der Saison ist der See frei zugänglich. Aktuelle Preise am besten vorab beim Betreiber nachsehen.
Lohnt sich die Fähre zur Insel?
Wenn sie fährt: ja. Die Insel Großer Werder hat eigene Badestellen und eine einfache Gaststätte, und die kurze Überfahrt mit dem Ruderboot ist für sich schon ein Erlebnis. Im Frühjahr vorher prüfen, ob der Betrieb schon läuft.
