Rundwanderweg 42 ab Burg Rabenstein – 7 km durch den Hohen Fläming

Der Rundwanderweg 42 startet direkt an der Burg Rabenstein und ist in gut anderthalb Stunden gelaufen. Das klingt nach wenig, reicht aber für sieben Kilometer Wald, ein paar sehr alte Bäume und ein Bauwerk, über das im Ort mehr Geschichten kursieren als Belege existieren. Wir waren im Juni dort – und würden den Weg jederzeit wieder gehen, gerade weil er so unspektakulär beginnt.
Das Erlebnis
Start und Ziel ist der Parkplatz an der Burg. Von dort führt die rote 42 relativ zügig in den Wald, und der Verkehrslärm verschwindet schneller, als man es bei der Nähe zur Autobahn erwartet. Der Weg ist durchgehend gut markiert – wir mussten kein einziges Mal die Karte zücken, was in Brandenburg nicht selbstverständlich ist.
Der Wald hier ist kein Kiefernforst nach Schema F. Alte Eichen und Buchen stehen zwischen jüngerem Bestand, Teile davon sind als „Urwald von morgen“ ausgewiesen: Flächen, die man bewusst sich selbst überlässt. Totholz bleibt liegen, umgestürzte Stämme werden nicht weggeräumt. Das sieht unaufgeräumt aus und ist genau der Punkt. Für uns war das der schönste Abschnitt der Runde – man merkt beim Gehen, wie sich die Struktur des Waldes verändert.
Wir sind Damwild begegnet, aus einigem Abstand und nur kurz. Rehe soll es hier ebenfalls geben. Wer die Chance erhöhen will: früh morgens oder in der letzten Stunde vor der Dämmerung losgehen, tagsüber im Juni ist wenig los im Unterholz.
Das eigentliche Highlight kommt später: die Millionenbrücke, eine massive Brücke über die A9. Vor Ort und in den örtlichen Erzählungen heißt es, niemand wisse so genau, warum sie in dieser Dimension gebaut wurde und wohin sie eigentlich führen sollte – hinter der Brücke geht es schlicht in den Wald weiter. Wir haben die Geschichte so gehört und geben sie so weiter, ohne sie belegen zu können. Was sich nicht wegdiskutieren lässt: Man steht auf einem großen, stillen Betonbauwerk, unter einem rauscht die Autobahn Richtung München, und drumherum ist nichts als Kiefer und Buche. Dieser Kontrast ist besser als jede Legende.
Danach schließt sich die Runde zurück zur Burg. Die Wege sind überwiegend fest, ein paar sandige Abschnitte gibt es, größere Steigungen nicht – der Hohe Fläming ist hügelig, aber freundlich hügelig. Turnschuhe reichen bei trockenem Wetter, nach Regen sind feste Schuhe die bessere Wahl.
Zurück an der Burg haben wir im Restaurant eingekehrt. Regionale Küche, ordentliche Portionen, und nach sieben Kilometern schmeckt sowieso alles. Der Hofladen lohnt sich für den Heimweg – Brot, Käse, Kleinigkeiten für unterwegs. Direkt nebenan liegt die Falknerei, die regelmäßig Flugvorführungen anbietet. Wir haben es zeitlich nicht geschafft, aber wer den Tag verlängern will, plant die Wanderung einfach um eine Vorführung herum.
Wer im Fläming ohnehin mehrere Stopps machen will: Von Rabenstein aus ist man schnell in Richtung Beelitz Heilstätten oder – wenn die Beine doch mehr wollten als geplant – zur Fläming-Therme in Luckenwalde.
Anfahrt
Mit dem Auto: Über die A9 bis zur Abfahrt Klein Marzehns, dann Richtung Raben. Parkplätze gibt es an der Burg Rabenstein. Ab Berlin sind es je nach Startpunkt und Verkehr rund eineinhalb Stunden.
Mit ÖPNV: Mit dem RE7 bis Bad Belzig, von dort weiter mit dem Bus 572 nach Raben. Vom Ortskern führt ein kurzer Anstieg zur Burg. Wichtig: Die Busse fahren im ländlichen Takt, also vorher Rück- und Hinfahrt zusammen planen – sonst wird aus der 1,5-Stunden-Wanderung ein sehr langer Nachmittag. Am Wochenende gelten andere Fahrpläne als werktags.
Der Ort gehört zur Gemeinde Rabenstein/Fläming im Landkreis Potsdam-Mittelmark; allgemeine Infos zur Region gibt es beim Amt Niemegk.
Beste Jahreszeit
Unserer Meinung nach ist der Frühling die beste Zeit: April bis Anfang Juni, wenn die Buchen frisch ausgetrieben haben und der Wald hell ist. Der Herbst ist die zweitbeste Wahl – Laubfärbung und deutlich bessere Chancen, Wild zu sehen.
Im Hochsommer ist der Weg gut machbar, weil er fast durchgehend im Schatten verläuft. Wir sind im Juni gelaufen und haben die Hitze kaum gemerkt. Im Winter ist die Runde ebenfalls möglich, dann aber mit matschigen Abschnitten und früher Dunkelheit – wer erst am Nachmittag startet, sollte die Zeit im Blick behalten. Beachten sollte man außerdem, dass Gastronomie und Falknerei außerhalb der Saison eingeschränkte Zeiten haben können.
Kosten
Die Wanderung selbst kostet nichts. Der Rundweg ist frei zugänglich und ausgeschildert.
Kosten entstehen nur für das, was man drumherum macht: Einkehr im Burgrestaurant, Eintritt für Burg und Falknerei beziehungsweise die Flugvorführungen. Die Preise dafür haben wir bewusst nicht ungeprüft übernommen – sie ändern sich saisonal, ein Blick auf die Seiten von Burg und Falknerei vor dem Besuch spart Ärger. Parken an der Burg war zum Zeitpunkt unseres Besuchs im Juni 2026 unkompliziert möglich.
Unsere Tipps
- Der roten 42 vertrauen. Die Markierung ist durchgängig und zuverlässig. Wer trotzdem eine Karte will: an der Burg gibt es Übersichtstafeln.
- Früh starten, wenn ihr Wild sehen wollt. Am späten Vormittag ist der Wald ruhig, aber leer. Morgens oder gegen Abend stehen die Chancen deutlich besser.
- Zeitpuffer für die Millionenbrücke einplanen. Der Blick von oben auf die A9 ist der Moment, an dem alle stehenbleiben. Fünfzehn Minuten mehr einrechnen.
- Einkehr und Hofladen kombinieren. Erst essen, dann im Hofladen Brot und Käse für den Heimweg mitnehmen – die Kombination hat für uns gut funktioniert.
- Bei ÖPNV-Anreise die Rückfahrt zuerst prüfen. Bus 572 fährt nicht im Stadttakt. Das ist der einzige echte Stolperstein an diesem Ausflug.
Häufige Fragen
Wie lang und wie anstrengend ist der Rundwanderweg 42?
Rund sieben Kilometer, Gehzeit etwa 1,5 Stunden ohne Pausen. Leichte Steigungen, keine schwierigen Passagen. Auch mit Kindern gut machbar, wenn sie sieben Kilometer am Stück laufen können.
Kann man den Weg mit Kinderwagen oder Rollstuhl befahren?
Eher nicht. Die Wege sind überwiegend fest, es gibt aber sandige und wurzelige Abschnitte. Ein geländegängiger Kinderwagen kommt vermutlich durch, komfortabel ist es nicht.
Gibt es unterwegs Einkehrmöglichkeiten?
Auf der Strecke selbst nicht. Gegessen wird an Start und Ziel – im Restaurant der Burg Rabenstein. Wasser und eine Kleinigkeit sollte man deshalb mitnehmen.
Lohnt sich die Kombination mit der Falknerei?
Wir haben die Vorführung selbst nicht gesehen, sie findet aber regelmäßig statt und liegt direkt neben Start und Ziel. Wenn ihr ohnehin einen halben Tag einplant, ist das die naheliegendste Ergänzung zur Wanderung.












