Schlossgut Schwante – Skulpturenpark, Wagyu-Bratwurst und eine Seerunde

Schwante liegt eine gute Dreiviertelstunde nordwestlich von Berlin, und das Schlossgut dort haben wir zweimal entdeckt: einmal im Dezember 2015, als wir nur durch den Park spaziert sind, und dann wieder im Oktober 2024 – neun einhalb Jahre später. In der Zwischenzeit ist aus dem Gutsgelände ein Skulpturenpark mit Café-Restaurant geworden. Kein aufpoliertes Ausflugsschloss, sondern ein Hof, auf dem Kunst, Gastronomie und Landwirtschaft nebeneinander funktionieren.
Das Erlebnis
Angefangen hat unser Besuch 2024 eigentlich mit einer Wanderung. Wir hatten spontan beschlossen, einmal um den Mühlensee zu laufen – eine schöne Runde mit guten 7 Kilometern, überwiegend ruhig, mit Blicken aufs Wasser und durch Feld und Wald. Erst danach war klar: Jetzt gehen wir auch noch ins Schlossgut. Und ehrlich gesagt ist genau diese Kombination der Grund, warum wir den Ort empfehlen. Erst laufen, dann sitzen.
Das Gelände selbst besteht aus mehreren Teilen, die gut ineinandergreifen. Der Skulpturenpark ist der Kern: großzügige Wiesen und alter Baumbestand, dazwischen zeitgenössische Arbeiten, die man beim Spazieren entdeckt statt abzuarbeiten. Wer sich mit moderner Skulptur überhaupt nicht anfreunden kann, wird hier nicht bekehrt – wer aber Lust auf eine Stunde Umherlaufen mit gelegentlichem Stehenbleiben hat, ist richtig.
Das Café-Restaurant sitzt im alten Backhaus. Drinnen ist es urig, mit dickem Gemäuer und wenig Chichi. Draußen gibt es eine Biergarten-Wiese mit viel Platz, an der Kinder problemlos herumrennen können, dazu Spielmöglichkeiten und einen Mini-Strand. Familien haben wir hier sehr entspannt erlebt: Eltern sitzen, Kinder sind beschäftigt, niemand muss alle fünf Minuten aufstehen.
Gegessen haben wir Burger und Bratwurst vom hauseigenen Wagyu-Rind – sehr lecker, und man merkt, dass das Fleisch nicht aus dem Großhandel kommt. Dazu gibt es hausgemachte Salate, Kaffee und Kuchen. Ein kleiner Hofladen gehört auch dazu, dort kann man mitnehmen, was auf dem Teller überzeugt hat.
Ein Detail, das man wissen sollte: Die Gastronomie läuft saisonal. Unser Besuch fiel eine Woche vor das Saisonende, das mit einem Apfelfest gefeiert wurde. Wer im November spontan auf Wagyu-Burger hofft, steht also möglicherweise vor verschlossenen Türen. Ein Blick auf die offizielle Website vor der Fahrt lohnt sich, gerade außerhalb des Sommers.
Was uns 2015 gefehlt hat und 2024 da war: ein Grund, länger zu bleiben. Damals war Schwante ein kurzer Dorf- und Parkspaziergang, hübsch, aber schnell durch. Heute ist es ein Halbtagsziel.
Anfahrt
Mit dem ÖPNV: Erfreulich gut angebunden für ein Dorf. Ab Berlin mit der S25 nach Hennigsdorf, dort umsteigen in die RB55 (Kremmener Bahn) Richtung Kremmen – die hält direkt in Schwante. Vom Bahnhof sind es wenige Minuten zu Fuß bis zum Schlossplatz. Wichtig: Die RB55 fährt nicht im dichten Takt, Rückfahrt vorher anschauen.
Mit dem Auto: Aus Berlin über die A111 und A10 (nördlicher Berliner Ring), Abfahrt Richtung Velten/Oberkrämer, dann über die Landstraße nach Schwante. Aus dem Berliner Norden rund 40 bis 50 Minuten. Adresse: Schloßplatz 1–3, 16727 Oberkrämer. Parken ist im Dorf und am Gutsgelände möglich, an schönen Wochenenden wird es allerdings eng.
Für die Seerunde: Der Mühlensee liegt am Ortsrand, die Runde lässt sich direkt vom Schlossgut aus starten. Rechnet mit knapp zwei Stunden für die 7 Kilometer.
Beste Jahreszeit
Mai bis Oktober – da ist die Gastronomie offen, der Park voll begrünt und die Biergarten-Wiese das, was sie sein soll. Der Frühsommer ist unser Favorit: Skulpturen im frischen Grün, warm genug für draußen, noch nicht überlaufen.
Der Oktober hat uns aber genauso gut gefallen. Die Seerunde ist im Herbstlicht schöner als im Hochsommer, und wenn man danach in der Sonne auf der Wiese sitzt, ist die Saison genau richtig getimt. Der Winterbesuch 2015 war nett für einen Dorfspaziergang, mehr aber auch nicht – ohne Gastronomie und ohne Laub fehlt dem Gelände etwas. Wer im Winter etwas Ähnliches sucht, ist mit einer Runde im Mühlenbecker Land besser beraten.
Kosten
Der Skulpturenpark kostet Eintritt – die aktuellen Preise stehen auf der Website des Schlossguts, sie ändern sich saisonal und wir wollen hier keine veralteten Zahlen stehen lassen. Café und Restaurant liegen preislich auf dem Niveau eines guten Landgasthofs: Burger und Bratwurst vom eigenen Wagyu-Rind sind kein Imbisspreis, dafür stimmt die Qualität. Kaffee und Kuchen sind normal kalkuliert.
Die Runde um den Mühlensee ist kostenlos, der Hofladen kostet so viel, wie man sich mitnehmen lässt.
Unsere Tipps
- Erst laufen, dann essen. Die 7-km-Runde um den Mühlensee macht aus dem Café-Besuch einen richtigen Ausflug. Umgekehrt läuft es sich nach Wagyu-Burger deutlich schwerer.
- Saison und Öffnungstage checken. Die Gastronomie ist saisonal und am Wochenende geöffnet – unter der Woche und im Winter kann alles zu sein.
- Mit Kindern auf die Biergarten-Wiese. Viel Platz, Spielmöglichkeiten und ein Mini-Strand. Einer der entspanntesten Gastro-Orte für Familien, die wir im Berliner Umland kennen.
- Hofladen nicht überspringen. Wenn das Fleisch überzeugt hat, kann man es direkt mitnehmen.
- Kombinieren. Wer noch Zeit hat, fährt weiter Richtung Kremmen – die Seelodge in Kremmen liegt in der Nähe, und der Lehnitzsee bei Oranienburg ist auf dem Rückweg nach Berlin ein guter Badestopp.
Häufige Fragen
Kann man das Schlossgut Schwante ohne Auto erreichen?
Ja. Mit der S25 bis Hennigsdorf und weiter mit der RB55 bis Schwante, von dort ein kurzer Fußweg. Der Zug fährt nicht besonders häufig, plant die Rückfahrt also mit ein.
Ist der Skulpturenpark auch für Leute interessant, die sich nicht für Kunst interessieren?
Bedingt. Das Gelände ist schön, alter Baumbestand, große Wiesen – das trägt den Spaziergang auch ohne Kunstinteresse. Die Skulpturen sind zeitgenössisch, wer damit nichts anfangen kann, kommt eher wegen Park und Gastronomie.
Wann ist die Gastronomie geöffnet?
Saisonal und schwerpunktmäßig am Wochenende – bei unserem Besuch war Samstag und Sonntag von mittags bis nachmittags offen, Saisonende Ende Oktober mit Apfelfest. Aktuelle Zeiten stehen auf der Website.
Wie lang ist die Runde um den Mühlensee?
Gute 7 Kilometer, überwiegend flach und gut zu gehen. Wir haben knapp zwei Stunden gebraucht, inklusive Fotostopps.











