Lehnitzsee bei Oranienburg – Badesee am Ende der S1

Der Lehnitzsee ist einer der Seen, die man von Berlin aus fast versehentlich erreicht: S1 Richtung Oranienburg, eine Station vor Schluss aussteigen, ein paar Minuten gehen – Wasser. Wir waren an einem heißen Augusttag dort, ohne großen Plan, und haben genau das bekommen, was man von so einem Ausflug erwartet: Sonne, Kiefern, See.
Ein Nachmittag am Wasser
Lehnitz ist ein Ortsteil von Oranienburg, und der See prägt ihn komplett. Das Ufer wechselt zwischen Villengrundstücken, Schilfkanten und Abschnitten, an denen man einfach ans Wasser kommt. Die typische märkische Mischung: heller Sandboden, Kiefern bis fast an die Uferlinie, dazwischen Birken. Nichts Spektakuläres, nichts, wofür man einen Reiseführer braucht. Aber genau dieses unaufgeregte Brandenburg ist ja der Grund, warum man rausfährt.
Wir haben uns an der Sonne einen Platz gesucht und den Nachmittag im Wesentlichen mit Nichtstun verbracht. Der See wirkte an dem Tag ruhig, obwohl im August natürlich einiges los ist – Lehnitz liegt schlicht zu nah an Berlin, um leer zu sein. Wer eine einsame Bucht sucht, ist am Liepnitzsee oder weiter oben im Barnim besser aufgehoben. Der Lehnitzsee ist eher der See für den schnellen, unkomplizierten Sommerausflug nach Feierabend oder für einen halben Tag am Wochenende.
Das Wasser ist an den flachen Stellen angenehm warm, es gibt Bereiche mit sandigem Einstieg, an anderen Stellen geht es über Wurzeln und Schilf ins Wasser. Wer schwimmt, merkt schnell: Der See ist nicht riesig, aber groß genug, dass die Querung eine ernstzunehmende Strecke ist. Am Nordufer schließt der Oranienburger Kanal an, weshalb hier auch Sportboote unterwegs sind – beim Schwimmen also besser nicht in die Fahrrinne.
Rund um den See führt ein Weg, der sich für einen Spaziergang eignet, allerdings nicht durchgehend direkt am Ufer verläuft. Teilweise geht es durch Wohnstraßen, teilweise durch Wald. Rechnen kann man grob mit anderthalb bis zwei Stunden für die Runde, je nachdem, wie oft man stehen bleibt.
Anfahrt
Mit der Bahn: Der einfachste Weg. Die S1 fährt vom Berliner Innenstadtbereich (Friedrichstraße, Gesundbrunnen, Wittenau, Frohnau) bis Oranienburg; die vorletzte Station heißt Lehnitz. Vom Bahnhof sind es je nach Uferabschnitt zehn bis zwanzig Minuten zu Fuß bis ans Wasser. Alternativ halten hier auch Regionalzüge in Oranienburg, von dort ist es aber ein Stück weiter. Der Lehnitzsee gehört damit zu den wenigen Brandenburger Badeseen, die man komplett mit dem VBB-Ticket (Tarifbereich C) erreicht – Fahrrad im Zug ist entsprechend unkompliziert.
Mit dem Auto: Aus Berlin über die A111 und die B96 Richtung Oranienburg oder über die A10 (Berliner Ring), Abfahrt Oranienburg. Ab Berlin-Mitte sind es rund 35 bis 45 Minuten, im Sommer am Wochenende gern mehr. Parken ist der Schwachpunkt: In Lehnitz sind viele Straßen eng und von Anwohnerautos belegt, offizielle Parkplätze am See gibt es nur wenige. An heißen Wochenenden ist die Bahn schlicht die bessere Wahl.
Beste Jahreszeit
Der Lehnitzsee ist in erster Linie ein Badesee, und das merkt man. Juni bis September ist die Zeit, in der er funktioniert – wir waren im August da, und der See hatte gute Badetemperatur. Der Preis dafür: Man teilt ihn sich mit vielen anderen. Wer es ruhiger mag, kommt unter der Woche oder früh am Vormittag.
Im Frühjahr und Herbst lohnt sich vor allem die Runde um den See. Die Kiefernufer sehen im Oktoberlicht gut aus, und man hat die Wege weitgehend für sich. Im Winter ist der Lehnitzsee ehrlich gesagt kein Ausflugsziel, für das man extra rausfahren muss – dann sind Ecken wie das Mühlenbecker Land mit seinen Wald- und Kanalwegen die dankbarere Wahl.
Kosten
An die frei zugänglichen Uferabschnitte kommt man kostenlos. Das Strandbad am Lehnitzsee verlangt einen kleinen Eintritt im einstelligen Euro-Bereich; die genauen Preise und Öffnungszeiten ändern sich saisonal, ein Blick auf die Seiten der Stadt Oranienburg vor der Fahrt lohnt sich. Mit dem VBB-Ticket bis Tarifbereich C ist die Anreise ebenfalls günstig – für einen kompletten Badetag zu zweit kommt man gut unter 25 Euro raus.
Unsere Tipps
- Mit der S1 anreisen. Die Parksituation in Lehnitz ist an Sommerwochenenden mühsam, der Bahnhof liegt praktisch am See.
- Verpflegung mitbringen. Direkt am Ufer gibt es keine dichte Gastronomie. Wer lieber richtig einkehrt, kombiniert den Ausflug mit dem nahen Grabowsee und der Gaststätte „Zur Bäke“.
- Uferabschnitt vorher aussuchen. Große Teile des Ufers sind privat bebaut. Wer nicht suchen will, geht ins Strandbad oder an die bekannten Badestellen in Bahnhofsnähe.
- Badeschuhe schaden nicht. An manchen Einstiegen ist der Grund wurzelig und schlammig statt sandig.
- Fahrrad mitnehmen. Von Lehnitz aus lässt sich die Region rund um Oranienburg – Grabowsee, Kanal, Schlosspark – gut abfahren, das macht aus dem halben Tag einen ganzen.
Häufige Fragen
Kann man im Lehnitzsee baden?
Ja. Es gibt ein Strandbad sowie mehrere frei zugängliche Badestellen. Wir waren im August dort, das Wasser hatte angenehme Badetemperatur.
Wie kommt man ohne Auto zum Lehnitzsee?
Mit der S-Bahn-Linie S1 bis zum Bahnhof Lehnitz, eine Station vor Oranienburg. Von dort sind es je nach Ziel zehn bis zwanzig Minuten zu Fuß. Der Bahnhof liegt im VBB-Tarifbereich C.
Ist der Lehnitzsee ein Geheimtipp?
Nein. Dafür liegt er zu nah an Berlin und zu gut an der S-Bahn. An heißen Wochenenden ist er entsprechend gut besucht. Wer Ruhe sucht, fährt weiter nach Norden, etwa an den Liepnitzsee.
Wie lange braucht man für eine Runde um den See?
Grob anderthalb bis zwei Stunden. Der Weg führt nicht durchgehend direkt am Ufer entlang, sondern teilweise durch Wohnstraßen und Wald.
