Natur

Ohne Ziel unterwegs – Landstraßen-Ausflug im Berliner Umland

Von Jan Heinemann · 1. Juni 2013 · Zuletzt besucht: Juni 2013 · Region: Berliner Umland

Ohne Ziel unterwegs – Landstraßen-Ausflug im Berliner Umland

Manchmal fahren wir einfach los. Kein Ziel, kein Plan, nur der Ring um Berlin und die erste Abfahrt, die gut aussieht. So war das an diesem Junitag 2013: raus aus der Stadt, rein in die Landstraßen des Berliner Umlands – und am Ende ein Ausflug, von dem sich kaum ein einzelner Ort erzählen lässt, wohl aber ein Gefühl.

Das Erlebnis: fahren, gucken, anhalten

Wer Brandenburg nur von der Autobahn kennt, kennt Brandenburg nicht. Die A10 ist eine Transportmaschine, sie bringt dich schnell von A nach B und zeigt dir dabei Lärmschutzwände. Die Landstraße macht das Gegenteil. Sie ist langsam, sie führt durch Dörfer, in denen um zwei Uhr nachmittags niemand auf der Straße ist, und sie zwingt dich alle paar Kilometer zum Runterschalten.

Wir sind an diesem Tag ohne feste Route unterwegs gewesen. Alleen mit alten Bäumen, deren Kronen sich über der Fahrbahn schließen. Felder, die im Juni schon hoch stehen. Dazwischen Ortsdurchfahrten mit Kopfsteinpflaster, einer Kirche, einem Konsum, der keiner mehr ist. Und Himmel. Sehr viel Himmel – das ist ja die Brandenburger Spezialität: Weil die Landschaft flach ist, ist der Himmel groß, und im Juni schiebt er ständig neue Wolkenberge über die Felder.

Ehrlich gesagt: Es gab an diesem Tag keine Sehenswürdigkeit, kein Museum, keinen See, an dem wir gebadet hätten. Wir sind gefahren, haben angehalten, wenn etwas gut aussah, sind wieder eingestiegen. Genau das war der Punkt. Wer so einen Tag mit der Erwartung antritt, etwas Vorzeigbares zu erleben, wird enttäuscht. Wer ihn als Gegenprogramm zum durchgetakteten Berliner Wochenende nimmt, kommt entspannt zurück.

Ein Nachteil, den wir nicht verschweigen wollen: Ziellos fahren heißt auch, dass man irgendwann Hunger hat und nichts findet. Die Gastronomie im Umland ist außerhalb der Ausflugsorte dünn gesät, viele Dorfgaststätten haben nur an Wochenenden oder gar nicht mehr offen. Ein bisschen Proviant im Auto ist keine schlechte Idee.

Wo genau? Ein paar Richtungen, die funktionieren

Das Schöne am Berliner Umland ist, dass es in jede Himmelsrichtung geht und man nach zwanzig Minuten draußen ist. Ein paar Korridore, die sich für ziellose Fahrten anbieten:

Nach Norden, Richtung Mühlenbecker Land und Wandlitz: viel Wald, viele kleine Seen, überschaubare Entfernungen. Wir waren dort auch schon im Winter unterwegs – siehe unseren Bericht aus dem Mühlenbecker Land.

Nach Osten, Richtung Märkische Schweiz und Oderbruch: hügeliger, als man denkt, und mit Alleen, die zu den schönsten im Land gehören.

Nach Süden, Richtung Zossen und Fläming: weite Felder, Kiefernwald, ein paar sehr gerade Straßen, auf denen man den Horizont sieht.

Nach Westen, Richtung Havelland: Wasser, Deiche, Obstanbau – und das beste Licht am späten Nachmittag.

Wer den gleichen Fahrmodus mag, findet bei uns noch mehr davon: einmal als Landstraßen-Roadtrip ohne festes Ziel und einmal als Junitag ohne Plan.

Anfahrt

Das ist der eine Ausflug, für den man tatsächlich ein Auto braucht. Der Reiz liegt ja gerade im Abbiegen, wann man will. Ab Berlin funktioniert es am besten so: einmal auf den Berliner Ring (A10), an einer beliebigen Abfahrt runter, und ab da nur noch Landes- und Kreisstraßen. Wer keinen eigenen Wagen hat: Carsharing-Anbieter mit Tagespaketen oder ein Mietwagen für 24 Stunden sind für so einen Tag oft günstiger als gedacht.

Mit dem ÖPNV lässt sich das Konzept nicht eins zu eins übertragen, aber ansatzweise: Regionalbahn bis in eine Kleinstadt am Rand des Verkehrsverbunds (etwa Bernau, Fürstenwalde, Nauen, Zossen) und von dort mit dem Fahrrad weiter. Dann wird aus der Landstraßen- eben eine Landweg-Tour. Der VBB-Tarifbereich reicht weiter, als viele Berliner:innen glauben – ein Brandenburg-Berlin-Ticket deckt das ganze Land ab.

Beste Jahreszeit

Juni ist stark, das können wir nach diesem Tag bestätigen: Die Felder stehen, die Alleen sind voll belaubt, und es ist bis nach 21 Uhr hell – man kann also nachmittags losfahren und trotzdem noch Stunden Licht haben. September ist die zweite gute Zeit, mit weicherem Licht und weniger Verkehr an den Ausflugsseen.

Juli und August funktionieren auch, allerdings ist an heißen Wochenenden alles, was am Wasser liegt, voll. Der Winter hat seinen eigenen Reiz, aber die Tage sind kurz und viele Dorfgaststätten machen Pause. Vermeiden würden wir den November – graubraune Felder, früh dunkel, wenig Grund anzuhalten.

Kosten

Ein ziellose Landstraßentour kostet Sprit und sonst nichts. Für 150 bis 200 Kilometer rund um Berlin sollte man je nach Auto mit ungefähr 20 bis 30 Euro rechnen. Dazu kommt, was man unterwegs isst und trinkt. Eintritte fallen keine an, Parken in Dörfern ist kostenlos. Bei Mietwagen oder Carsharing lohnt sich der Blick auf Tagespakete mit Freikilometern – bei kilometerbasierten Tarifen wird so ein Tag schnell teuer.

Unsere Tipps

Häufige Fragen

Lohnt sich ein Ausflug ohne festes Ziel überhaupt?

Wenn man das Richtige erwartet: ja. Man kommt ohne Fotos von berühmten Orten zurück, aber mit dem Gefühl, mal nichts abgearbeitet zu haben. Wer ein konkretes Erlebnis will, sollte lieber einen See, ein Kloster oder eine Kleinstadt ansteuern.

Wie viel Zeit sollte man einplanen?

Ein halber Tag reicht für eine schöne Runde von 100 bis 150 Kilometern. Mit Einkehr und mehreren Stopps wird schnell ein ganzer Tag daraus – aufhören kann man ja jederzeit, Berlin ist nie weiter als eine Stunde entfernt.

Geht das auch ohne Auto?

Eingeschränkt. Die Kombination Regionalbahn plus Fahrrad kommt dem Prinzip am nächsten: Man fährt bis an den Rand des Umlands und lässt sich dann treiben. Reine Buslinien im ländlichen Brandenburg fahren zu selten, um spontan zu sein.

Wann ist die beste Zeit für Fotos?

Die letzten zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Im Juni also ab etwa 19:30 Uhr – dann liegt warmes Licht auf den Feldern, und die typischen Brandenburger Wolkenformationen kommen am besten zur Geltung.