Natur

Brieger Gänse an der Oder bei Lebus – Winterwanderung im Schnee

Von Jan Heinemann · 11. Januar 2026 · Zuletzt besucht: Januar 2026 · Region: Seenland Oder-Spree

Brieger Gänse an der Oder bei Lebus – Winterwanderung im Schnee

Lebus liegt nördlich von Frankfurt (Oder), direkt am Fluss, und ist eines dieser Brandenburger Ziele, an die man nicht zufällig gerät. Wir sind im Januar hingefahren, weil es kalt genug war – wegen der Brieger Gänse. Das sind keine Vögel, sondern kreisrunde Eisschollen, die auf der Oder treiben. Und ja, es hat sich gelohnt.

Die Brieger Gänse – was das eigentlich ist

Wir sind (noch) keine Vogelbeobachter. Brieger Gänse sind ein Eisphänomen: Bei starkem Frost bildet sich am Grund des Flusses sogenanntes Grundeis, das sich irgendwann löst und an die Oberfläche wirbelt. Die Schollen treiben mit der Strömung, stoßen aneinander, drehen sich, und durch das ständige Anecken schleifen sich die Kanten rund ab. Am Ende schwimmen dort Hunderte fast kreisrunde Eisteller flussabwärts. Der Name kommt angeblich vom Geräusch – das Aneinanderstoßen soll klingen wie eine schnatternde Gänseschar.

Ob wir das Schnattern wirklich gehört haben oder nur hören wollten, lassen wir mal offen. Aber es raschelt, knirscht und klackert tatsächlich permanent, wenn man nah genug ans Ufer kommt. Ein Geräusch, das man von einem Fluss so nicht erwartet.

Wichtig, damit niemand mit falschen Erwartungen losfährt: Das Phänomen braucht mehrere Tage strengen Frost. Es ist kein Termin, den man planen kann, sondern eine Wettersache. Wir hatten Glück – und dazu noch Schnee.

Unsere Runde: rund 8 Kilometer

Wir sind in Lebus gestartet und hatten gleich zu Beginn den Blick von oben auf die Altstadt und die Oder. Lebus liegt an einem Hang, der Ort zieht sich vom Fluss nach oben, und diese Höhenmeter machen die Runde interessanter, als man es von Brandenburg gewohnt ist.

Von oben ging es hinunter ans Wasser. Direkt am Ufer sieht man das Eis am besten – die Schollen ziehen dicht vorbei, drehen sich langsam, schieben sich übereinander. Auf der anderen Seite: Polen. Die Oder ist hier Grenzfluss, und im Winter, wenn alles weiß ist und niemand unterwegs, wirkt das sehr weit und sehr still.

Danach sind wir ein Stück an der Alten Oder entlanggegangen, dem alten Flussarm im Hinterland, und dann noch einmal zum Hauptstrom zurückgeschwenkt. Den Rückweg haben wir über die Oderberge genommen – die Hänge oberhalb des Ortes. Im Schnee war das schlicht schön. Kein Trubel, kaum andere Menschen, dafür Weitblick über das Odertal.

Insgesamt kamen wir auf etwa acht Kilometer. Ohne Hetze, mit vielen Stopps am Wasser, hat das gut drei Stunden gedauert. Die Wege waren teils gefroren, teils matschig-vereist – festes Schuhwerk ist keine Empfehlung, sondern Pflicht.

Die Oderhänge bei Lebus sind übrigens auch abseits des Winters bekannt: Es ist einer der trockensten und wärmsten Standorte Brandenburgs, mit Steppenvegetation und dem Frühlings-Adonisröschen, das hier ab Ende März in großen Beständen blüht. Wir kommen spätestens dann wieder.

Wer die Oder von ihrer nördlichen Seite kennenlernen will: Wir waren im Sommer auch schon an der Westoder bei Mescherin in der Uckermark und im Unteren Odertal unterwegs. Anderer Fluss-Charakter, gleiche Weite.

Anfahrt

Mit der Bahn: Von Berlin mit dem RE1 nach Frankfurt (Oder) – ab Ostbahnhof rund eine Stunde, ab Hauptbahnhof etwas länger. Von dort weiter mit dem Regionalbus Richtung Seelow/Lebus. Die Busse fahren am Wochenende deutlich seltener als werktags, also vorher die Verbindung prüfen und vor allem an die Rückfahrt denken. Wer sportlich ist, kann die knapp 12 Kilometer von Frankfurt (Oder) auch am Oderdeich entlanglaufen oder radeln.

Mit dem Auto: Über die A12 bis Frankfurt (Oder), dann auf der B112 nach Norden Richtung Küstrin – Lebus liegt direkt an der Strecke. Alternativ über die B1/B5 Richtung Seelow und dann südlich abbiegen. Fahrzeit ab Berlin: gut 1,5 Stunden. Im Ort findet man Parkplätze an der Straße, im Winter war das völlig unproblematisch.

Beste Jahreszeit

Für die Brieger Gänse: tiefster Winter, und zwar nach mehreren Frosttagen am Stück. Das gibt es nicht jedes Jahr. Wer das Phänomen sehen will, sollte spontan sein und bei einer längeren Kältephase einfach losfahren.

Zweiter guter Termin: das späte Frühjahr Ende März bis April, wenn an den Oderhängen die Adonisröschen blühen. Das ist die bekanntere Saison in Lebus, entsprechend sind dann auch mehr Leute unterwegs.

Im Sommer ist die Runde ebenfalls machbar, aber die Südhänge sind schattenlos und heizen sich auf – wir würden dann eher früh morgens gehen. Der Herbst ist unspektakulär, aber ruhig.

Kosten

Die Wanderung kostet nichts. Kein Eintritt, keine Gebühren, kein Parkticket – Stand unseres Besuchs im Januar 2026. Einzige Ausgaben: Anfahrt und, falls man Glück mit den Öffnungszeiten hat, eine Einkehr. Im Winter am Wochenende sollte man in Lebus allerdings nicht fest mit einem geöffneten Café rechnen. Wir hatten Thermoskanne dabei, und das war die richtige Entscheidung.

Unsere Tipps

Häufige Fragen

Was sind Brieger Gänse genau?

Runde Eisschollen auf der Oder. Sie entstehen aus Grundeis, das sich vom Flussbett löst, an die Oberfläche steigt und beim Treiben durch das Aneinanderstoßen rundgeschliffen wird. Das Geräusch soll an schnatternde Gänse erinnern – daher der Name.

Kann man die Brieger Gänse jeden Winter sehen?

Nein. Es braucht mehrere Tage durchgehenden Frost, damit sich genug Grundeis bildet. In milden Wintern passiert gar nichts. Das Phänomen ist Glückssache und lässt sich nicht im Voraus planen.

Wie lang und wie anspruchsvoll ist die Runde?

Unsere Runde war rund 8 Kilometer lang und hat mit Pausen etwa drei Stunden gedauert. Es geht durch die Oderberge, also mit ein paar Höhenmetern – für Brandenburg ungewöhnlich, aber nicht schwer. Bei Eis und Schnee sind die Hangabschnitte allerdings rutschig.

Wann blühen die Adonisröschen bei Lebus?

Üblicherweise ab Ende März bis in den April hinein, je nach Witterung. Die Bestände an den trockenen Südhängen über der Oder gehören zu den größten in Deutschland. Bitte auf den Wegen bleiben – die Hänge stehen unter Naturschutz.