Natur

Westoder bei Mescherin – Grenzfluss in der Uckermark

Von Jan Heinemann · 8. Juni 2013 · Zuletzt besucht: Juni 2013 · Region: Uckermark

Westoder bei Mescherin – Grenzfluss in der Uckermark

Mescherin liegt so weit im Nordosten der Uckermark, dass man auf der Karte kurz zweimal hinschaut: Hinter dem Fluss ist schon Polen. Wir standen im Juni an der Westoder, sahen Wasser, Schilf, Wiesen und dahinter die Hochhäuser von Gryfino – und sonst ziemlich lange nichts. Genau das ist der Reiz.

Ein Fluss, der sich teilt

Die Oder kommt hier nicht als ein einzelner breiter Strom an, sondern als System: Ostoder, Westoder und dazwischen die Polder des Unteren Odertals. Die Westoder ist der westliche Arm, ruhiger und schmaler als man erwartet, mit Schilfkanten und flachen Ufern. Wer sich einen imposanten Grenzfluss vorstellt, wird eher überrascht sein, wie unspektakulär das Wasser wirkt. Die Wirkung entsteht durch die Fläche drumherum: Wiesen bis zum Horizont, ein paar Baumreihen, hoher Himmel. Es ist die Sorte Landschaft, in der man erst nach zehn Minuten merkt, dass man nichts hört außer Wind und Vögeln.

Wir sind an dem Junitag vor allem am Wasser entlanggelaufen und haben fotografiert. Viel mehr braucht es hier auch nicht. Es gibt keine Aussichtsplattform, kein Besucherzentrum um die Ecke, keinen Kiosk mit Softeis. Ein Ort ohne Programm.

Mescherin selbst ist ein kleines Straßendorf am Fluss, mit Bootsanleger und der Brücke nach Gryfino gleich nebenan. Der Grenzübergang ist unaufgeregt – man fährt oder geht einfach rüber. Wer Lust hat, kombiniert den Ausflug also mit einem kurzen Abstecher nach Polen; Gryfino ist keine Schönheit, aber ein interessanter Kontrast zu den leeren Wiesen auf deutscher Seite.

Nationalpark Unteres Odertal

Mescherin liegt am nördlichen Rand des Nationalparks Unteres Odertal, dem einzigen Auen-Nationalpark Deutschlands. Der eigentliche Kernbereich mit den Poldern und den Deichwegen zieht sich südlich Richtung Gartz, Friedrichsthal und Schwedt. Wer mehr Landschaft sehen will, fährt von hier aus die paar Kilometer den Fluss entlang und steigt dort in die Wege ein. Wir haben dem Odertal an anderer Stelle einen eigenen Text gewidmet: Die Uckermark – Unteres Odertal.

Wichtig zu wissen: Große Teile der Polder sind im Winterhalbjahr geflutet und teils gesperrt, außerdem gelten in einem Nationalpark strengere Regeln als in einem Naturpark – Wege nicht verlassen, Hunde an die Leine, keine Drohnen. Das ist hier kein Formalkram, sondern der Grund, warum man überhaupt Kraniche, Seeadler und Biberspuren zu sehen bekommt.

Die Anfahrt ist Teil des Ausflugs

Ehrlich gesagt: Die Strecke dorthin fanden wir fast genauso gut wie das Ziel. Ab Angermünde wird Brandenburg dünn besiedelt, die Straßen ziehen sich schnurgerade durch Felder, dazwischen Alleen und Ortsdurchfahrten mit Kopfsteinpflaster. Wer solche Fahrten mag, findet bei uns eine ganze Reihe davon, etwa Alleen, Felder, Ortsdurchfahrten oder den Landstraßen-Roadtrip durch Brandenburg.

Anfahrt

Mit dem Auto: Von Berlin über die A11 Richtung Stettin, Abfahrt Penkun oder Gartz/Schwedt, dann auf Landstraßen an die Oder. Rechne mit rund 100 bis 120 Kilometern und gut anderthalb Stunden – die letzten Kilometer gehen nicht schnell, das ist Landstraßentempo. Geparkt wird im Ort am Straßenrand bzw. am Anleger; große Parkplätze gibt es nicht, es braucht sie aber auch nicht.

Mit Bahn und Bus: Ab Berlin mit dem RE3 nach Angermünde, dort umsteigen in den Zug Richtung Szczecin. Der nächste Bahnhof ist Tantow, von dort sind es noch einige Kilometer bis Mescherin – zu Fuß machbar, mit dem Rad angenehmer. Auch Gartz (Oder) ist ein guter Ausgangspunkt für Radtouren am Fluss. Ohne Rad ist die Region ÖPNV-technisch anspruchsvoll: Die Busse fahren, aber selten. Vorher den Fahrplan prüfen, sonst steht man am späten Nachmittag ratlos an der Haltestelle.

Mit dem Rad: Der Oder-Neiße-Radweg führt direkt hier vorbei. Wer die Anreise per Bahn plant, kombiniert am besten Zug bis Angermünde oder Tantow und fährt den Rest am Wasser entlang.

Beste Jahreszeit

Wir waren im Juni da, und das passt: lange Tage, hohes Gras, warmes Licht am Abend über dem Wasser. Im Hochsommer kann es auf den offenen Wiesen allerdings schattenlos und heiß werden, und Mücken gibt es in einer Flussaue naturgemäß reichlich – langärmelig anziehen lohnt sich.

Der eigentliche Star-Zeitraum ist aber der Herbst: Ab September rasten hier Zehntausende Kraniche und Gänse, das ist akustisch wie optisch beeindruckend. Der Winter ist die stillste Zeit, dann stehen die Polder oft unter Wasser – schön anzusehen, aber viele Wege sind dicht. Im Frühjahr wird es wieder grün, und die Vogelwelt ist laut.

Kosten

Der Besuch kostet nichts. Kein Eintritt, keine Parkgebühr, die wir bemerkt hätten. Ausgaben entstehen nur für Anfahrt und Verpflegung – und Letztere sollte man einplanen, denn die gastronomische Dichte ist überschaubar. Ein Nationalpark-Besuch mit Führung oder eine Kahn- bzw. Bootstour kostet natürlich extra; das buchen wir hier nicht ein, weil wir es selbst nicht gemacht haben.

Unsere Tipps

Häufige Fragen

Was ist die Westoder eigentlich?

Der westliche Arm der Oder im Unteren Odertal. Zwischen West- und Ostoder liegen die Polderflächen des Nationalparks. Bei Mescherin verläuft die Grenze zu Polen in diesem Bereich – der Fluss ist hier Grenzfluss.

Kann man in der Oder baden?

Wir haben es nicht getan und würden es auch nicht empfehlen. Es ist ein Fluss mit Strömung und Schiffsverkehr, dazu Nationalparkregeln. Wer baden will, fährt besser an einen der uckermärkischen Seen.

Lohnt sich der Ausflug als Tagestour ab Berlin?

Ja, wenn man Weite und Ruhe sucht und die Anfahrt als Teil des Ausflugs versteht. Wer ein volles Programm mit Museum, Café und Sehenswürdigkeiten erwartet, wird enttäuscht – hier gibt es Landschaft, sonst wenig.

Kommt man ohne Auto hin?

Mit Einschränkungen. Bahn bis Tantow oder Gartz, den Rest per Rad oder zu Fuß. Reine Busanbindung funktioniert, ist aber dünn getaktet – Fahrplan unbedingt vorher checken.