Natur

Zehdenicker Tonstichlandschaft – 9-km-Runde durch 60 wassergefüllte Tongruben

Von Jan Heinemann · 30. August 2026 · Zuletzt besucht: August 2026 · Region: Ruppiner Seenland

Zehdenicker Tonstichlandschaft – 9-km-Runde durch 60 wassergefüllte Tongruben

Nördlich von Zehdenick liegt eine Landschaft, die es ohne Industrie nie gegeben hätte: rund 60 wassergefüllte Tongruben, dazwischen Dämme, Schilf, Kiefern und Birken. Wir sind an einem Spätsommersonntag eine Runde von knapp 9 Kilometern gelaufen und waren überrascht, wie ruhig es dort ist – und wie wenig das Ganze nach „Industriefolgelandschaft” aussieht, wenn man erst mal drin steht.

Ton, Ziegel und was davon übrig ist

Die Gruben sind kein Naturphänomen. Hier wurde über Jahrzehnte Ton gestochen, aus dem in den Ziegeleien rund um Zehdenick und Mildenberg die Steine für Berlin gebrannt wurden. Als der Abbau endete, liefen die Löcher mit Grundwasser voll. Übrig blieb ein Flickenteppich aus Teichen und Seen unterschiedlicher Größe, viele davon mit auffallend klarem Wasser, manche fast schwarz, manche türkis, je nachdem, wie die Sonne steht.

Unsere Runde führt einmal quer durch dieses Gebiet, überwiegend auf Sand- und Waldwegen auf den alten Dämmen zwischen den Stichen. Das Laufen ist unspektakulär einfach – kaum Steigung, keine Wurzelpisten – aber die Perspektive wechselt permanent: links Wasser, rechts Wasser, dann wieder ein Stück Kiefernwald, dann eine offene Fläche mit Blick über mehrere Gruben hinweg.

Was uns gefallen hat: Es gibt hier keine Attraktion, an der man sich abarbeitet. Kein Aussichtsturm, kein Eintritt, keine Schlange. Dafür Stille, Vogelgeräusche, ein paar Angler und alle zwanzig Minuten eine Familie mit Fahrrad. Was man wissen sollte: Teilweise sieht man dem Gelände seine Vergangenheit deutlich an – Betonreste, alte Verladestellen, Zäune. Uns fanden das interessant, wer eine klassische Postkartenlandschaft erwartet, wird eher irritiert sein.

In einigen Tonstichen kann man baden. Wir sind Ende August ins Wasser gegangen, und es war genau das, was man sich für einen Sommerabschied wünscht: kühl, klar, kein Strandbadbetrieb. Wichtig ist der Realismus dabei – das sind keine bewachten Badestellen. Die Ufer fallen an vielen Stellen steil ab, es gibt keine Bademeister, keine Duschen, keine Toiletten. Wir haben uns an Stellen gehalten, an denen ein flacher Zugang und Trampelpfade zu erkennen waren, und Bereiche mit Verbotsschildern oder Angelpacht gemieden.

Wer die industrielle Seite vertiefen will: In Mildenberg, wenige Kilometer weiter, gibt es den Ziegeleipark mit erhaltenen Öfen und Feldbahn. Wir haben ihn diesmal nicht besucht, hörten aber Gutes – das ist der logische Zweitstopp, wenn man aus der Wanderung einen ganzen Tag machen möchte.

Wer nach dieser Runde Lust auf mehr Norden hat: Kloster Himmelpfort liegt in derselben Ecke und lässt sich mit dem Auto gut anhängen.

Anfahrt

Mit der Bahn: Zehdenick liegt an der RB12 (Berlin-Lichtenberg – Oranienburg – Templin). Von Lichtenberg braucht man je nach Verbindung rund eine Stunde bis eineinhalb Stunden. Vom Bahnhof Zehdenick geht man Richtung Norden aus der Stadt hinaus, dann sind es je nach Route ein bis drei Kilometer bis zu den ersten Tonstichen. Wer die Anfahrt zu Fuß mitrechnet, kommt schnell auf 12 bis 14 Kilometer Gesamtstrecke – Fahrrad mitnehmen ist deshalb keine schlechte Idee, die Dammwege sind gut fahrbar.

Mit dem Auto: Von Berlin über die A10 und die B96 bis Oranienburg, dann auf der B109 weiter nach Zehdenick. Rechnen sollte man mit rund einer Stunde ab dem nördlichen Berliner Rand. Geparkt haben wir am Ortsrand in einer Seitenstraße; direkt in der Tonstichlandschaft gibt es keinen ausgewiesenen Wanderparkplatz mit Beschilderung, also lieber im Ort abstellen und den letzten Kilometer laufen. Die Wege im Gebiet sind für Autos ohnehin nicht gedacht.

Beste Jahreszeit

Spätsommer war für uns die richtige Wahl: Das Wasser hatte noch Temperatur, die Mücken hatten schon nachgelassen, und das flache Abendlicht über den Gruben ist wirklich schön. Juli und August funktionieren genauso, wenn Baden das Hauptmotiv ist.

Der Herbst dürfte optisch mindestens so gut sein – Birken und Erlen färben sich, und das Gebiet ist dann noch leerer. Im Frühjahr ist es vogelreich, aber teils feucht und matschig auf den Dämmen. Hochsommer bei 35 Grad ist grenzwertig, weil die offenen Abschnitte kaum Schatten haben. Im Winter geht die Runde auch, dann ist es allerdings sehr kahl und der Reiz liegt eher in der Stille als in der Landschaft.

Kosten

Die Wanderung ist kostenlos. Kein Eintritt, keine Schranke, kein Parkautomat – Stand unseres Besuchs. Wer den Ziegeleipark Mildenberg dazunimmt, sollte Eintritt einplanen; die aktuellen Preise stehen auf der Website des Parks. Einkehr gibt es unterwegs nicht, dafür in Zehdenick selbst.

Unsere Tipps

Häufige Fragen

Darf man in den Zehdenicker Tonstichen baden?

In einigen Tonstichen ist Baden möglich und üblich, es sind aber keine bewachten Badestellen. Beschilderung und Angelpacht respektieren, steile Ufer beachten. Wer Infrastruktur will – Liegewiese, Toilette, Imbiss – ist an einem klassischen Badesee wie dem Wandlitzsee besser aufgehoben.

Wie lang ist die Runde und wie schwer?

Unsere Runde hatte knapp 9 Kilometer und ist praktisch flach. Wir waren mit Pausen und Badestopp einen halben Tag unterwegs. Wer eine vergleichbare Distanz näher an Berlin sucht: die 9-km-Runde am Krummen See bei Bestensee ist ähnlich gut zu laufen.

Ist die Tonstichlandschaft mit Kinderwagen oder Rad machbar?

Mit dem Fahrrad gut – die Dammwege sind breit und fest genug. Mit Kinderwagen nur eingeschränkt, weil einzelne Abschnitte sandig und ausgewaschen sind.

Gibt es Einkehrmöglichkeiten?

Nicht im Gebiet selbst. Gastronomie findet man in Zehdenick, außerdem gibt es beim Ziegeleipark Mildenberg eine Versorgung. Wir haben unser Proviant mitgebracht und sind hinterher in der Stadt eingekehrt.