Großer Wochowsee bei Storkow – ein Frühlingsnachmittag am Waldsee

Der Große Wochowsee liegt südöstlich von Storkow, umgeben von Wald, und macht keinerlei Aufhebens um sich. Kein Strandbad-Trubel, keine Beschilderung, die einen zum Verweilen überredet. Wir waren im April dort, bei diesem ersten richtigen Frühlingslicht, und mehr brauchte es auch nicht.
Ein Nachmittag ohne Programm
Es gibt Ausflüge, die man plant, und es gibt die, bei denen man einfach rausfährt, weil die Luft plötzlich anders riecht. Dieser hier war von der zweiten Sorte. Anfang April, die Birken noch halb kahl, aber schon dieses helle Grün an den Zweigspitzen, das nach zwei Wochen keiner mehr bemerkt. Am Wasser war es windstill und deutlich wärmer als erwartet.
Der Große Wochowsee ist ein typischer Brandenburger Waldsee: dunkles Wasser, Kiefern und Erlen bis fast ans Ufer, Schilfgürtel an mehreren Stellen. Man hört Vögel und sonst wenig. Wir sind ein Stück am Ufer entlanggegangen, haben uns hingesetzt, geguckt. Das war es im Grunde. Kein Highlight, das man fotografieren und herzeigen muss — eher so ein Ort, an dem der Kopf aufhört zu rattern.
Wer nach dem Kriterium „was kann man dort machen?” sucht, wird hier wenig finden. Wer nach dem Kriterium „wo kann man mal eine Stunde nichts machen?” sucht, wird fündig. Beides sind legitime Fragen, sie führen nur zu unterschiedlichen Ausflügen.
Was der See ist – und was nicht
Der See gehört zum Gebiet der Stadt Storkow (Mark) im Landkreis Oder-Spree, mitten in der Seenlandschaft zwischen Scharmützelsee und Dahme. Es ist kein erschlossener Badesee mit Kasse, Liegewiese und Imbiss. Es gibt keine Rettungsschwimmer, kein Kiosk, keine Umkleide — jedenfalls haben wir bei unserem Besuch nichts davon gesehen. Wer baden will, sollte das entsprechend einschätzen und Uferzonen mit Schilf und Röhricht meiden, schon aus Naturschutzgründen.
Wer den Ausflug verlängern will, kombiniert ihn gut mit dem Städtchen selbst. Wir haben in Storkow schon mal einen Nachmittagsspaziergang gemacht — Burg, Marktplatz, Wasserlage, in einer guten Stunde abgelaufen. Und wenn der Tag noch nicht rum ist und der Magen knurrt: Das Fisch-Haus in Wendisch Rietz am Nordende des Scharmützelsees ist von hier aus keine Weltreise.
Anfahrt
Mit der Bahn: Von Berlin geht es über Königs Wusterhausen mit der Regionalbahn RB36 Richtung Beeskow/Frankfurt (Oder) bis Storkow (Mark). Vom Bahnhof sind es noch ein paar Kilometer nach Südosten zum See — zu Fuß machbar, aber ehrlicher: mit dem Fahrrad deutlich angenehmer. Die Strecke lässt sich gut mit dem Rad im Regionalzug kombinieren, in Randzeiten ist Platz meist kein Problem.
Mit dem Auto: Ab Berlin über die A12 Richtung Frankfurt (Oder), Abfahrt Storkow, dann über die B246 in die Stadt und weiter Richtung Süden/Südosten. Aus dem Berliner Südosten ist auch die Landstraße über Königs Wusterhausen und Prieros eine schöne Variante — wir fahren solche Strecken sowieso gern und haben daraus schon ganze Landstraßenfahrten ohne Ziel gemacht. Fahrzeit ab Berlin-Mitte: gut eine Stunde.
Parken: Es gibt keinen ausgewiesenen Parkplatz direkt am See, den wir gesehen hätten. Wer mit dem Auto kommt, parkt am Ortsrand und läuft das letzte Stück. Bitte keine Waldwege oder Zufahrten zuparken — das ist hier draußen ein echtes Thema.
Beste Jahreszeit
Wir sagen: April und Mai. Genau dann, wenn das Laub noch licht ist, man durch den Wald bis aufs Wasser sieht und die Vögel den ganzen Tag Betrieb machen. Es ist noch nicht warm genug für Badegäste, entsprechend leer ist es.
Im Sommer ist der See sicher beliebter, dafür ist das Wasser dann auch angenehm. Wer Ruhe sucht, kommt unter der Woche oder früh am Tag.
Der Herbst funktioniert bei diesen Kiefern-Erlen-Seen gut, wenn man Nebel mag. Im Winter ist es schlicht und ziemlich still — kann man machen, muss man aber nicht extra für herfahren.
Kosten
Der Besuch ist kostenlos. Kein Eintritt, keine Parkgebühr, keine Kasse. Es gibt dementsprechend auch keine Gegenleistung in Form von Infrastruktur. Verpflegung mitbringen oder in Storkow einkehren. Stand: unser Besuch im April 2026.
Unsere Tipps
- Fahrrad mitnehmen. Die Kombination Regionalbahn bis Storkow plus Rad macht aus dem See einen entspannten Halbtagesausflug statt eines Fußmarschs.
- Sitzunterlage einpacken. Bänke haben wir keine gefunden. Eine Isomatte oder eine alte Decke rettet den Nachmittag, weil der Waldboden im April noch feucht ist.
- Mücken- und Zeckenschutz ab Mai. Schilfnahe Waldseen sind genau das Terrain dafür.
- Nichts liegen lassen. Es gibt keine Mülleimer, weil es keine Bewirtschaftung gibt. Alles wieder mitnehmen — sonst ist der Ort in fünf Jahren keiner mehr, den man empfehlen mag.
- Kombinieren. Storkow-Altstadt, Scharmützelsee oder ein Abstecher zu den Rauener Bergen machen aus dem stillen Seeufer einen vollen Tag.
Häufige Fragen
Kann man im Großen Wochowsee baden?
Baden ist grundsätzlich möglich, aber auf eigene Verantwortung. Es gibt kein bewachtes Strandbad, keine Rettungsschwimmer und keine markierten Einstiege. Wer schwimmt, sollte sicher schwimmen können und Schilfzonen aus Rücksicht auf die Natur meiden.
Wie kommt man ohne Auto zum Großen Wochowsee?
Mit der RB36 ab Königs Wusterhausen bis Storkow (Mark), von dort weiter mit dem Fahrrad oder zu Fuß Richtung Südosten. Rad im Zug ist die bequemste Lösung.
Gibt es am See eine Einkehrmöglichkeit?
Direkt am See nicht. Gastronomie findet sich in Storkow oder rund um den nahen Scharmützelsee, etwa in Wendisch Rietz.
Lohnt sich der Ausflug auch außerhalb der Badesaison?
Ja — sogar besonders. Im Frühjahr ist der Wald licht, die Luft klar und man hat das Ufer meist für sich. Man sollte allerdings wissen, dass man für Landschaft und Ruhe kommt, nicht für ein Programm.
