Seen & Gewässer

Scharmützelsee im Oktober – Uferspaziergang in Bad Saarow

Von Jan Heinemann · 28. Oktober 2013 · Zuletzt besucht: Oktober 2013 · Region: Seenland Oder-Spree

Scharmützelsee im Oktober – Uferspaziergang in Bad Saarow

Bad Saarow im Oktober ist ein anderer Ort als Bad Saarow im Juli. Der Scharmützelsee liegt still da, die Uferpromenade ist fast leer, und das Licht macht aus einem eher unspektakulären Kurort einen ziemlich guten Spazierweg. Wir waren an einem Oktobertag dort — ohne Plan, ohne Badezeug, nur mit der Kamera.

Das Erlebnis

Der Scharmützelsee ist mit knapp zwölf Quadratkilometern einer der größten Seen Brandenburgs, und das merkt man vor allem im Herbst. Im Sommer verteilt sich das alles auf Badestellen, Segler und Ausflugsdampfer. Im Oktober bleibt der pure Wasserblick: eine Fläche, die weit genug ist, dass das andere Ufer bei diesigem Wetter nur als graue Linie erkennbar ist. Kein Wellenrauschen, kein Trubel, ab und zu ein Boot.

Wir sind vom Ortszentrum aus einfach ans Ufer gelaufen und dann der Promenade gefolgt. Bad Saarow hat sich in den letzten Jahrzehnten stark auf Kur, Therme und Golf ausgerichtet, was man an den Neubauten und den gepflegten Anlagen sieht. Zwischendrin stehen aber noch die alten Villen aus der Zeit, als der Ort ein Sommerziel für Berliner Bürgertum war — Maxim Gorki hat hier gewohnt, und man kann sich beim Vorbeigehen gut vorstellen, warum. Die Mischung ist nicht durchgehend hübsch, aber sie ist interessant.

Das Beste an diesem Tag war die Stille. Die Cafés hatten reduzierte Öffnungszeiten, die Stühle standen schon zusammengestellt, die Stege waren leer. Wir haben ziemlich lange einfach am Wasser gestanden und aufs andere Ufer geschaut. Das ist kein Erlebnis, das man verkaufen kann, aber es ist genau das, wofür wir aus Berlin rausfahren. Ehrlich gesagt: Wer im Oktober nach Bad Saarow kommt und ein Programm erwartet, wird enttäuscht. Wer einen langen Spaziergang am Wasser will, bekommt genau das.

Die Landschaft ringsum macht mit. Der See liegt in einer sanft hügeligen Endmoränenlandschaft, in Richtung Norden schließen sich Kiefernwälder an, im Süden liegt Wendisch Rietz am anderen Ende des Sees. Wenn man Lust auf mehr Weg hat, kann man ein Stück am Ufer weiter Richtung Pieskow gehen; ganz umrunden lässt sich der See zu Fuß an einem Tag eher nicht komfortabel, dafür ist er zu groß — mit dem Rad ist die Runde eine gute Halbtagestour.

Wer den Tag verlängern will: Die Saarow Therme liegt direkt in Bad Saarow und ist bei nassem Herbstwetter die naheliegende Alternative zum Frieren am Ufer. Am Südende des Sees haben wir bei anderer Gelegenheit im Fisch-Haus in Wendisch Rietz gegessen — passt gut, wenn man mit dem Auto unterwegs ist und den See einmal umfährt.

Anfahrt

Mit der Bahn: Ab Berlin mit dem RE1 bis Fürstenwalde (Spree), dort umsteigen in die Regionalbahn nach Bad Saarow-Pieskow. Die Fahrt dauert insgesamt rund eine Stunde bis eineinviertel Stunden, je nach Anschluss. Vom Bahnhof Bad Saarow-Pieskow sind es wenige Minuten zu Fuß zum Ort und etwa 10–15 Minuten bis zum Seeufer. Bad Saarow liegt im VBB-Tarifbereich, ein Ticket Berlin ABC plus Anschlussfahrschein reicht — am einfachsten ein Brandenburg-Berlin-Ticket, wenn man zu zweit oder mehr unterwegs ist.

Mit dem Auto: Über die A12 Richtung Frankfurt (Oder), Abfahrt Fürstenwalde-Ost, dann Landstraße Richtung Bad Saarow. Ab Berlin sind es rund 60 bis 70 Kilometer, gut eine Stunde. Parken ist im Oktober kein Problem, es gibt Parkplätze im Ort und in der Nähe der Therme; im Sommer wird es an Wochenenden deutlich enger.

Die Landstraßen im Umland sind eine eigene Empfehlung. Wir haben den Rückweg gern über Nebenstrecken genommen — mehr dazu in unserem Landstraßen-Roadtrip durch Brandenburg.

Beste Jahreszeit

Bad Saarow funktioniert eigentlich das ganze Jahr, aber mit sehr unterschiedlichem Charakter.

Sommer: Badesaison, Ausflugsschiffe, Segler, viele Menschen. Der See ist groß genug für alle, aber die Promenade und die Parkplätze sind voll.

Herbst: Unsere Empfehlung, wenn man Ruhe und Licht sucht. Oktober ist ideal für Spaziergänge, das Ufer gehört einem fast allein. Nachteil: Manche Cafés und Angebote laufen nur eingeschränkt, und man sollte wetterfeste Kleidung dabeihaben. Am See zieht es.

Winter: Kahl und still, aber die Therme macht den Ausflug trotzdem sinnvoll.

Frühling: Guter Kompromiss — noch leer, aber schon freundlicher. Ab Mai fahren die Schiffe wieder.

Kosten

Der Uferspaziergang und der Zugang zum See sind kostenlos. Für Bad und Kureinrichtungen fällt in Bad Saarow teils eine Kurtaxe an, wenn man übernachtet. Die Saarow Therme kostet extra — aktuelle Preise stehen auf der Website der Therme, sie ändern sich regelmäßig. Kaffee und Kuchen in einem der Cafés am Wasser liegen auf dem üblichen Niveau eines Kurorts, also etwas über Brandenburger Durchschnitt. Unser Tag hat außer der Bahnfahrt praktisch nichts gekostet.

Unsere Tipps

Häufige Fragen

Lohnt sich Bad Saarow im Oktober überhaupt?

Wenn man einen ruhigen Spaziergang am Wasser will: ja. Wenn man Programm, Schiffsfahrt oder Baden erwartet: eher nicht. Die Ausflugsschifffahrt läuft saisonal, im Spätherbst und Winter fährt nichts oder nur eingeschränkt.

Kommt man ohne Auto nach Bad Saarow?

Problemlos. RE1 bis Fürstenwalde (Spree), dann die Regionalbahn nach Bad Saarow-Pieskow. Der Bahnhof liegt im Ort, das Seeufer ist zu Fuß erreichbar. Für einen Tagesausflug aus Berlin ist die Bahn die entspanntere Variante.

Kann man den Scharmützelsee zu Fuß umrunden?

Nur mit sehr viel Zeit — der See ist rund zehn Kilometer lang. Realistischer sind Teilstrecken am Ufer oder eine Radrunde. Mit dem Rad ist die Umrundung eine gute Halbtagestour.

Kann man im Scharmützelsee baden?

Im Sommer ja, es gibt mehrere Badestellen und Strandbäder rund um den See, unter anderem in Bad Saarow und in Wendisch Rietz. Im Oktober war das für uns kein Thema — die Wassertemperatur liegt dann deutlich unter 15 Grad.