Schlepzig und der wilde Spreewald – 14-km-Runde nach Groß Wasserburg

Wir hatten einen Samstag frei, kein Ziel und eine Suchmaschine. Herausgekommen ist eine knapp 14 Kilometer lange Runde ab Schlepzig im Unterspreewald – halb gemütlicher Feldweg, halb vergessener Wanderweg, auf dem wir uns irgendwann durchs Dickicht geschoben haben. Schön war es trotzdem. Oder gerade deswegen.
Der Unterspreewald ist nicht Lübbenau
Wer Spreewald hört, denkt an Kahnfahrten, Gurkenfässer und volle Häfen. Das gibt es hier auch – Schlepzig hat einen Haupthafen, ein Brauereigasthaus, Fließe und Kähne. Aber der Unterspreewald ist deutlich ruhiger als der touristische Kern rund um Lübbenau. Wenige hundert Meter außerhalb des Ortes hört der Betrieb auf, und dann ist da vor allem Wasser, Erlenbruch und Wiese.
Unsere Runde startet direkt neben dem Haupthafen. Der Anfang ist unspektakulär: ein Stück Landstraße, das man hinter sich bringen muss. Danach wird es besser. Der Weg führt auf einen Moorpfad, der sich durch feuchtes Gelände zieht – hier merkt man schnell, dass man in einer Niederung unterwegs ist und nicht auf märkischem Sandboden. Es riecht anders, es klingt anders, und der Untergrund gibt nach.
Über Feldwege geht es weiter Richtung Groß Wasserburg, einem kleinen Ortsteil am Rand des Naturschutzgebiets. Offene Landschaft, Weiden, ein paar Höfe. Das ist der entspannte Teil der Tour – gut zu gehen, weite Blicke, kein Mensch.
Der Rückweg: Dickicht und wacklige Brücken
Dann kam der Teil, der die Tour für uns interessant gemacht hat. Auf dem Rückweg sind wir auf einem Wanderweg gelandet, der offenbar seit Jahren niemanden mehr gesehen hat, der eine Heckenschere besitzt. Völlig zugewachsen. Brennnesseln, Brombeerranken, Äste in Gesichtshöhe. Dazwischen Holzbrücken über die Fließe, die wir eher vorsichtig als beherzt betreten haben. Abenteuerlich trifft es ganz gut.
Das ist kein Weg zum Schlendern. Wir waren gut beschäftigt mit Schauen, wo wir hintreten, und mit dem Freimachen des nächsten Meters. Wer festes Schuhwerk, lange Hosen und ein bisschen Lust auf Buschwerk mitbringt, hat hier eine der ungewöhnlicheren Spreewald-Erfahrungen. Wer eine gepflegte Sonntagsrunde sucht, wird fluchen.
Wichtig: Wir würden diesen Abschnitt nicht blind empfehlen. Zustand und Begehbarkeit können sich von Saison zu Saison ändern, und Holzbrücken in einem Feuchtgebiet altern schnell. Wenn euch eine Brücke nicht geheuer vorkommt, dreht um und nehmt den Feldweg zurück. Das kostet ein paar Kilometer, aber keine Nerven.
Insgesamt sind wir für die 14 Kilometer inklusive Fotopausen und Dickichtkampf gut vier Stunden unterwegs gewesen. Höhenmeter gibt es praktisch keine – der Spreewald ist flach. Anstrengend wird es nur durch den Untergrund.
Schlepzig selbst
Der Ort ist klein und hat trotzdem ein bisschen was: Fließe mitten durchs Dorf, alte Spreewaldhäuser, den Hafen, eine Brauerei mit Gasthaus und ein Agrarhistorisches Museum. Nach der Tour lohnt sich eine Einkehr – wir waren ehrlich gesagt froh über etwas zu trinken und eine Bank. Wer lieber auf dem Wasser unterwegs ist statt zu Fuß, findet hier auch Kahnfahrten und Kanuverleihe. Der klassische Kontrast dazu ist die Kahnfahrt in Lübbenau – deutlich touristischer, dafür mit dem ganzen Spreewald-Programm.
Anfahrt
Mit dem ÖPNV: Schlepzig liegt im Landkreis Dahme-Spreewald. Mit dem Regionalexpress ab Berlin nach Lübben (Spreewald), von dort mit dem Regionalbus weiter nach Schlepzig – die Verbindungen sind am Wochenende dünn, das sollte man vorher prüfen. Alternativ ab Lübben mit dem Rad, das sind rund zehn Kilometer auf gut fahrbaren Wegen.
Mit dem Auto: Ab Berlin über die A13 Richtung Dresden, Abfahrt Staakow oder Freiwalde, dann über Krausnick nach Schlepzig. Etwa eine Stunde Fahrzeit ab dem Südosten Berlins. Parken kann man im Ort in der Nähe des Haupthafens; an schönen Wochenenden wird es rund um den Hafen eng.
Beste Jahreszeit
Wir waren im September unterwegs, und das war ein guter Kompromiss: Die Mücken waren erträglich, das Licht schon weich, die Wege trocken genug. Im Hochsommer ist der Spreewald in den feuchten Abschnitten mückenreich – Mittel nicht vergessen. Im Frühjahr steht in den Niederungen oft Wasser, dann sind Moorpfade und Bohlenwege schnell unpassierbar. Der Herbst ist unsere Empfehlung, spätestens Oktober, wenn die Erlen und Wiesen Farbe bekommen. Im Winter ist die Landschaft kahl, dafür sehr still – wir mögen das, siehe unsere Neujahrsspaziergänge in Brandenburg.
Kosten
Die Wanderung kostet nichts. Parken im Ort war zum Zeitpunkt unseres Besuchs unproblematisch. Geld gibt man hier höchstens für die Einkehr aus – oder für eine Kahn- beziehungsweise Kanutour ab dem Haupthafen. Aktuelle Preise dafür stehen auf der Seite der Gemeinde Schlepzig.
Unsere Tipps
- Lange Hose und feste Schuhe. Der zugewachsene Abschnitt ist kein Sandalen-Gelände, und nasse Füße sind hier realistisch.
- Tour vorher aufs Handy laden. Der Rückweg ist stellenweise kaum als Weg erkennbar, Beschilderung Fehlanzeige. Ohne GPX-Track sucht man.
- Mückenschutz einpacken, von Mai bis August wirklich.
- Getränke mitnehmen. Zwischen Schlepzig und Groß Wasserburg gibt es keine Versorgung.
- Umkehroption einplanen. Wenn eine Brücke morsch wirkt oder der Pfad im Dickicht endet: zurück und über den Feldweg. Kein Drama, nur ein Umweg.
Häufige Fragen
Wie lang und wie schwer ist die Runde?
Knapp 14 Kilometer, flach, aber mit Moorpfad und einem zugewachsenen Abschnitt. Wir haben rund vier Stunden gebraucht. Kondition braucht man weniger als Geduld und passende Kleidung.
Ist die Tour für Kinder oder Kinderwagen geeignet?
Kinderwagen definitiv nicht. Ältere, wanderfreudige Kinder finden den Abenteuerteil vermutlich gut – sehr kleine Kinder eher nicht, wegen der schmalen Brücken und des unwegsamen Untergrunds.
Muss man den wilden Abschnitt gehen?
Nein. Man kann die Runde auch auf Feld- und Landwegen als Hin- und Rückweg laufen. Dann ist es eine ruhige, unspektakuläre Spreewald-Wanderung ohne Dickicht.
Gibt es in Schlepzig Einkehrmöglichkeiten?
Ja, im Ort gibt es Gastronomie, unter anderem rund um Hafen und Brauerei. Öffnungszeiten variieren saisonal stark – außerhalb der Sommermonate vorher prüfen.
Lohnt sich die Kombination mit anderen Wanderungen?
Wer auf dem Rückweg nach Berlin noch Zeit hat: Im Dahme-Seenland liegen ein paar gut gepflegte Alternativen, etwa die Runde um Roßkardtsee und Güldensee bei Groß Köris. Das ist das genaue Gegenteil dieser Tour – markiert, trocken, übersichtlich.




















