Wandern & Spazieren

Werbellinkanal – 9,3-km-Runde von Wildau nach Eichhorst

Von Jan Heinemann · 3. Oktober 2026 · Zuletzt besucht: Oktober 2026 · Region: Barnim & Schorfheide

Werbellinkanal – 9,3-km-Runde von Wildau nach Eichhorst

Der Werbellinkanal ist kein Ort, für den man extra losfährt – und genau das macht ihn gut. Eine schmale, gerade Wasserstraße, die den Werbellinsee mit dem Finowkanal verbindet, links und rechts Schorfheide. Wir sind von Wildau aus am Ufer entlang bis Eichhorst gelaufen, haben uns zweimal verköstigt und sind auf der anderen Seite zurück. 9,3 Kilometer, kaum Steigung, viel Wasser im Blick.

Dass es ein Feiertag war, haben wir morgens erst gemerkt, als wir vor dem leeren Kühlschrank standen. Keine Einkäufe, kein Plan, dafür schönes Wetter. Also raus in die Schorfheide – und die Verpflegungsfrage unterwegs klären. Hat erstaunlich gut funktioniert.

Die Runde

Start ist in Wildau am Werbellinsee, dem kleinen Ort am Südende des Sees. Von dort führt der Weg direkt an den Kanal und dann immer am Ufer entlang Richtung Süden. Der Werbellinkanal ist keine Naturidylle, sondern eine künstlich angelegte Wasserstraße – schnurgerade, mit befestigten Ufern und ab und zu einem Boot, das durchtuckert. Trotzdem oder gerade deshalb hat die Strecke etwas: Das Wasser liegt still da, die Bäume stehen dicht am Ufer, und immer wieder öffnen sich Sichtachsen, in denen der Kanal wie ein langer grüner Flur nach vorne wegfliegt.

In Eichhorst, nach gut der Hälfte, gab es ein Eis auf die Hand im Café Eiszeit. Sehr lecker, und im Oktober eine angenehme Überraschung, dass überhaupt offen war. Eichhorst selbst ist ein durchfahrener Ort an der B198, aber am Kanal wird es gleich wieder ruhig. Wer mehr Eisadressen in Brandenburg sucht: Wir haben unsere Favoriten in den besten Eisdielen und Eiscafés in Brandenburg gesammelt.

Danach ging es ein kleines Stück durch den Wald. Im Oktober standen Pilze am Wegesrand – wir sind keine Sammler, aber ein Blick nach unten lohnt sich in dieser Jahreszeit. Der Boden in der Schorfheide ist sandig, der Weg war trocken und gut zu laufen.

In Rosenbeck liegt das Gartenrestaurant Zur kleinen Moldau mit tschechischer Küche. Platz nimmt man im Garten, der absichtlich wild wachsen darf – zwischen Stauden, Gestrüpp und Tischen, die irgendwie dazwischen stehen. Das ist kein durchgestyltes Landlokal, sondern eher die Sorte Ort, an der man sich hinsetzt und dann länger bleibt als geplant. Tschechische Küche am Werbellinkanal ist eine Kombination, auf die man nicht kommt, und sie funktioniert.

Zurück ging es wieder am Ufer, auf der anderen Kanalseite, mit den schon erwähnten Sichtachsen. Zum Abschluss Kaffee und Kuchen im Café Wildau, mit einem wirklich schönen Blick auf den Werbellinsee. Das ist der Moment, in dem die Runde ihren eigentlichen Höhepunkt kriegt: Der Kanal ist schmal und eingefasst, der See ist weit, und nach neun Kilometern Linie tut der offene Blick gut.

Wer noch Zeit hat: Der Werbellinsee hat etliche weitere Ecken, und am Nordufer in Altenhof liegt die Alte Fischerei, falls der Tag kulinarisch noch nicht ausgereizt ist.

Anfahrt

Der Werbellinkanal liegt im Landkreis Barnim, rund 60 Kilometer nordöstlich von Berlin, zwischen Werbellinsee und Finowkanal.

Mit dem Auto: Über die A11 Richtung Stettin, Abfahrt Finowfurt oder Joachimsthal, dann über die B167 beziehungsweise B198 Richtung Eichhorst und weiter nach Wildau am Werbellinsee. Fahrzeit ab Berlin etwa eine Stunde. In Wildau gibt es Parkmöglichkeiten am Ort; an Sommerwochenenden kann es am Werbellinsee eng werden, im Herbst war das kein Thema. Alternativ kann man die Runde auch in Eichhorst starten.

Mit Bus und Bahn: Der nächste größere Bahnhof ist Eberswalde, erreichbar mit dem RE3 ab Berlin in gut 40 Minuten. Von dort fahren Regionalbusse Richtung Werbellinsee, Altenhof, Eichhorst und Joachimsthal. Der Takt ist überschaubar, besonders an Wochenenden und Feiertagen – Rückfahrt vorher nachschauen, sonst wird aus 9,3 Kilometern schnell eine deutlich längere Strecke. Wer flexibel bleiben will, nimmt das Rad mit in den Zug: Der Weg am Kanal lässt sich auch gut radeln.

Beste Jahreszeit

Wir waren im Oktober da, und das war sehr passend. Die Pilze am Wegesrand, das tiefstehende Licht über dem Kanal, keine Mücken, keine Menschenmassen – Herbst ist hier eine gute Wahl. Dazu kommt, dass die Einkehrmöglichkeiten im Oktober noch offen hatten, was später im Jahr nicht mehr sicher ist.

Im Frühjahr ist der Wald hell und das Laub frisch, im Sommer lässt sich die Wanderung gut mit einem Bad im Werbellinsee kombinieren – dann ist aber auch am meisten los. Im Winter ist die Strecke problemlos begehbar, nur die Gastronomie entlang des Wegs macht teilweise Pause. Dann wird aus der Tour eine reine Wanderung, und man sollte sich Proviant einstecken.

Kosten

Die Wanderung selbst kostet nichts. Der Weg am Kanal ist frei zugänglich, Parken in Wildau war zum Zeitpunkt unseres Besuchs kostenlos.

Budget einplanen sollte man für die Einkehr: Eis auf die Hand im Café Eiszeit in Eichhorst, ein Essen im Gartenrestaurant Zur kleinen Moldau in Rosenbeck und Kaffee und Kuchen im Café Wildau. Wer alle drei Stopps mitnimmt, landet pro Person etwa im Bereich eines normalen Restaurantbesuchs plus Extras. Preise und Öffnungszeiten ändern sich – vor allem außerhalb der Saison lohnt ein kurzer Blick auf die Seiten der Betriebe, bevor man losfährt.

Unsere Tipps

Häufige Fragen

Wie lang ist die Runde am Werbellinkanal?

Unsere Strecke von Wildau am Werbellinsee über Eichhorst und Rosenbeck und zurück hat 9,3 Kilometer. Ohne Einkehrstopps ist man in gut zweieinhalb Stunden durch, mit Eis, Essen und Kaffee wird daraus ein entspannter Halbtagesausflug.

Ist die Wanderung auch mit Kindern machbar?

Ja. Die Strecke ist flach, gut befestigt und ohne nennenswerte Steigungen. 9,3 Kilometer sind für kleinere Kinder trotzdem einiges – die Einkehrstopps in Eichhorst und Rosenbeck teilen die Runde aber sinnvoll auf.

Kann man am Werbellinkanal baden?

Der Kanal selbst ist eine Wasserstraße und nicht zum Baden gedacht. Dafür ist der Werbellinsee direkt am Start in Wildau da – einer der klarsten Seen im Barnim und im Sommer eine gute Ergänzung zur Wanderung.

Lohnt sich der Weg auch im Winter?

Zum Laufen ja, die Strecke ist ganzjährig begehbar. Allerdings haben die Cafés und das Gartenrestaurant in der kalten Jahreszeit teilweise geschlossen, und ohne die Einkehr verliert die Runde einen guten Teil ihres Reizes. Vorher die Öffnungszeiten prüfen.