Farm-Dining auf der Michelberger Farm in Vetschau – ein Tag im Spreewald

Zu unserem Hochzeitstag wollten wir essen gehen, aber nicht in Berlin. Geworden ist es die Michelberger Farm in Vetschau im Spreewald: ein Farm-Dining an einem langen Tisch in einer alten Scheune, mit Gemüse aus dem eigenen Waldgarten. Das war der beste Teil des Tages – und drumherum haben wir aus dem Ausflug noch eine kleine Spreewald-Runde gemacht.
Farm-Dining in der Scheune
Die Farm liegt in Naundorf, einem Ortsteil von Vetschau. Wer auf schicke Restaurant-Atmosphäre hofft, ist hier falsch: Es geht in eine ehemalige Scheune, alle sitzen an einem großen gemeinsamen Tisch. Serviert wird ein sogenanntes Tisch-Buffet – die Schüsseln und Platten kommen in die Mitte, man reicht sich gegenseitig die Sachen, man kommt mit den Leuten rechts und links ins Gespräch, ob man das vorher geplant hatte oder nicht. Für einen Hochzeitstag klingt das erst mal nach einem seltsamen Setting. War es aber überhaupt nicht. Es war entspannt, laut genug, dass man sich auch mal nur zu zweit unterhalten kann, und vor allem: richtig gut.
Die Zutaten kommen aus dem eigenen Waldgarten oder direkt aus der Region. Man schmeckt, dass hier jemand sehr genau überlegt, was auf den Tisch kommt, und nicht einfach ein Menü abarbeitet. Wir würden das sofort wieder machen und können es ohne Einschränkung empfehlen. Wichtig ist nur: Die Farm hat nicht täglich geöffnet – Freitag bis Sonntag ist das Grundmuster, und das Farm-Dining findet an festen Terminen statt. Also unbedingt vorher auf der Website der Michelberger Farm schauen und reservieren. Spontan vorbeifahren und hoffen funktioniert hier nicht.
Slawenburg Raddusch und der Naturhafen
Weil wir schon am Nachmittag in der Gegend waren, haben wir vorher noch einen Stopp in Raddusch eingelegt, ebenfalls ein Ortsteil von Vetschau. Dort steht die Slawenburg: der Nachbau einer slawischen Fluchtburg aus dem 9. und 10. Jahrhundert, ein massiver runder Wall mitten in der flachen Landschaft, der schon von der Straße aus ziemlich beeindruckend aussieht. Im Inneren gibt es normalerweise eine archäologische Ausstellung.
Ein wichtiger Hinweis, den wir vorher gern gehabt hätten: Die Burg war bei unserem Besuch für Besucher geschlossen. Das kann sich wieder ändern, aber verlasst euch nicht darauf, dass ihr hineinkommt – informiert euch vorher. Von außen anschauen und drumherum laufen geht trotzdem, und allein die Silhouette lohnt den kurzen Halt.
Anschließend sind wir den kleinen Rundweg durch den Naturhafen Raddusch gelaufen. Das ist eine überschaubare Runde, nichts Sportliches, aber eine schöne halbe Stunde zwischen Wasser, Schilf und Kähnen. Wer den Spreewald bisher nur von den touristischen Kahnfahrten in Lübbenau kennt, bekommt hier eine deutlich ruhigere Variante zu sehen.
Die Wendisch-Deutsche Doppelkirche in Vetschau
Danach noch ein kurzer Bummel durch Vetschau selbst. Das Highlight dort ist die Wendisch-Deutsche Doppelkirche: zwei Kirchenräume unter einem Dach, einer für die deutschsprachige, einer für die wendische (sorbische) Gemeinde, Rücken an Rücken gebaut. Eine Bauform, die man so kaum irgendwo sonst findet, und ein sehr konkreter Hinweis darauf, dass im Spreewald jahrhundertelang zwei Sprachen nebeneinander existierten. Von außen wirkt das Gebäude fast unspektakulär – das Besondere erschließt sich erst, wenn man weiß, was man da sieht.
Vetschau ist ansonsten eine ruhige Kleinstadt ohne große touristische Inszenierung. Uns hat das gefallen, es passte zum Tag. Wer mehr Programm braucht, kombiniert den Besuch mit einer Wanderung, etwa der Runde ab Schlepzig durch den wilden Spreewald oder der 12-km-Runde ab Hartmannsdorf bei Lübben.
Anfahrt
Mit der Bahn: Vetschau liegt an der Strecke Berlin–Cottbus, der RE2 hält hier. Ab Berlin Hauptbahnhof dauert das gut anderthalb Stunden. Vom Bahnhof Vetschau bis nach Naundorf sind es allerdings noch ein paar Kilometer – zu Fuß machbar, aber nicht sonderlich schön; mit dem Rad oder Taxi geht es besser. Raddusch liegt ebenfalls ein Stück außerhalb des Stadtkerns. Ohne Rad wird der Tag mit ÖPNV etwas sperrig.
Mit dem Auto: Ab Berlin über die A13 Richtung Dresden und dann auf die A15 Richtung Cottbus, Abfahrt Vetschau. Rund 100 Kilometer, je nach Verkehr etwa eineinviertel Stunden. In Naundorf, Raddusch und Vetschau findet man problemlos einen Parkplatz, der Spreewald-Massentourismus spielt sich weiter nördlich ab.
Beste Jahreszeit
Wir waren im Oktober da, und das war für diese Kombination ideal: Die Spreewald-Hauptsaison ist vorbei, die Kahnhäfen sind leer, das Licht ist gut, und ein langer Abend drinnen an einem warmen Tisch fühlt sich genau richtig an. Spätsommer und Frühherbst dürften generell die beste Zeit sein – dann ist der Waldgarten am ergiebigsten.
Im Hochsommer ist der Spreewald voll, da braucht man für alles andere als das Essen etwas Geduld. Im Winter sind die Außenstationen – Naturhafen, Rundweg, Burgwall von außen – eher kurz und zugig, aber das Farm-Dining funktioniert natürlich das ganze Jahr. Prüft einfach vorher die Termine.
Kosten
Slawenburg Raddusch von außen, Rundweg am Naturhafen und Spaziergang durch Vetschau kosten nichts. Für die Ausstellung in der Slawenburg wird im regulären Betrieb Eintritt fällig – da sie bei unserem Besuch geschlossen war, können wir keine aktuellen Preise nennen.
Das Farm-Dining auf der Michelberger Farm ist ein mehrgängiges Essen mit Anmeldung und entsprechend kein Schnäppchen-Mittag. Die Preise hängen vom jeweiligen Termin und Format ab und stehen auf der Website. Unser Eindruck: Für das, was auf den Tisch kommt, geht das in Ordnung.
Unsere Tipps
- Frühzeitig reservieren. Die Farm hat nur an wenigen Tagen geöffnet, die Termine für das Farm-Dining sind begrenzt. Spontan wird schwierig.
- Vorher klären, ob die Slawenburg offen ist. Bei uns war sie geschlossen. Der Wall von außen ist trotzdem sehenswert, aber plant die Ausstellung nicht fest ein.
- Den Tag rückwärts planen. Erst Raddusch und Vetschau am Nachmittag, dann abends essen. Nach dem Farm-Dining hat man auf Sightseeing keine Lust mehr.
- Fahrgemeinschaft oder Übernachtung überlegen. Es gibt Wein zum Essen, und zurück nach Berlin sind es 100 Kilometer. Die Farm hat auch Zimmer.
- Offen für Gespräche sein. Am gemeinsamen Tisch sitzt man zwangsläufig neben Fremden. Wer absolute Zweisamkeit sucht, ist hier am falschen Ort.
Häufige Fragen
Was ist das Farm-Dining auf der Michelberger Farm genau?
Ein gemeinsames Essen in einer ehemaligen Scheune: Alle Gäste sitzen an einem großen Tisch, die Speisen kommen als Tisch-Buffet in die Mitte und werden herumgereicht. Die Zutaten stammen aus dem eigenen Waldgarten oder aus der Region. Termine und Anmeldung laufen über die Website.
Kann man die Slawenburg Raddusch besichtigen?
Bei unserem Besuch war sie für Besucher geschlossen. Der nachgebaute Burgwall lässt sich von außen anschauen, die Ausstellung im Inneren war nicht zugänglich. Vor der Anfahrt also unbedingt den aktuellen Stand prüfen.
Kommt man ohne Auto nach Vetschau?
Ja, der RE2 Berlin–Cottbus hält in Vetschau, Fahrzeit ab Berlin gut anderthalb Stunden. Die Ziele liegen aber verstreut in den Ortsteilen Naundorf und Raddusch – mit dem Fahrrad im Zug ist man deutlich flexibler.
Was ist das Besondere an der Vetschauer Doppelkirche?
Es sind zwei Kirchenräume unter einem Dach: einer für die deutschsprachige, einer für die wendische Gemeinde. Diese Bauform ist eine Seltenheit und erinnert an die zweisprachige Geschichte des Spreewalds.















