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Bad Erna im Oktober – Sonntag am See mit Garten und Kürbissen

Von Jan Heinemann · 30. Oktober 2013 · Zuletzt besucht: Oktober 2013

Bad Erna im Oktober – Sonntag am See mit Garten und Kürbissen

Bad Erna im Oktober ist kein Badeziel mehr, sondern ein Ort zum Rumstehen und Gucken. Wir waren an einem Sonntag im Oktober dort, hatten die Badestelle praktisch für uns und haben den Nachmittag zwischen Wasser, Garten und Kürbissen verbracht. Genau die Art Ausflug, die man nicht plant, sondern die einfach passiert.

Ein Sonntag ohne Programm

Wir kennen Bad Erna aus dem Sommer, wenn hier Handtücher liegen, Kinder im flachen Wasser stehen und irgendwer eine Bluetooth-Box mitgebracht hat. Im Oktober ist davon nichts übrig. Der See liegt still da, das Wasser ist dunkel und wirkt kälter, als es vermutlich ist. Die Sonne steht so tief, dass sie einem beim Blick über das Wasser direkt in die Augen scheint. Man merkt sofort: Die Badesaison ist vorbei, und niemand tut mehr so, als wäre sie es nicht.

Unser Nachmittag bestand aus zwei Dingen: dem See und einem Garten. Am Wasser sind wir ein Stück am Ufer entlanggegangen, haben in die Bäume geschaut, die schon halb umgefärbt waren, und uns gegenseitig darauf hingewiesen, wie ruhig es ist. Kein Motorboot, kein Rasenmäher, nur Wind in den Blättern und ab und zu ein Vogel. Danach saßen wir im Garten, und dort lagen die Kürbisse – der eindeutige Beweis, dass der Oktober seine Arbeit macht. Orange, grau-grün, ein paar krumme Exemplare, die es nie in einen Supermarkt geschafft hätten.

Erholung ist so ein Wort, das man in Blogtexten schnell zu oft benutzt. Aber genau das war es: nichts tun, Tee trinken, Kürbisse anschauen, wieder zum Wasser gehen. Wir haben keine Wanderung abgehakt und kein Museum besucht. Wer für einen Sonntagsausflug ein Programm braucht, wird hier nicht glücklich.

Warum wir immer wieder herkommen

Bad Erna ist klein und unspektakulär, und genau darin liegt der Reiz. Es gibt keine Kasse, keine Liegestuhlvermietung, keine Pommesbude. Wir haben die Badestelle über die Jahre in fast jedem Zustand gesehen: im August, wenn es voll und laut ist, an einem langen Nachmittag mit Freunden und am Ende der Saison im Oktober, wenn nur noch die Hartgesottenen kurz reinspringen. Der Oktober ist unsere liebste Variante, auch wenn – oder weil – man dabei auf das Baden verzichtet.

Wer im Herbst eher einen größeren See mit Uferweg möchte, ist im Barnim besser dran, zum Beispiel beim Altweibersommer am Liepnitzsee. Bad Erna ist dagegen ein Ort für Leute, die schon wissen, warum sie hinfahren.

Anfahrt

Mit dem ÖPNV ist Bad Erna keine gute Idee. Es ist eine kleine Badestelle an einem kleinen See, ohne Bushaltestelle direkt davor und ohne Bahnhof in Sichtweite. Wer es trotzdem ohne Auto versuchen will, kombiniert am besten Regionalbahn und Fahrrad – die letzten Kilometer führen über Landstraße und Sandweg.

Wir sind mit dem Auto gefahren, wie fast immer bei diesem Ziel. Ab Berlin ist es eine typische Brandenburg-Strecke: Autobahn raus, dann Landstraße, dann Ortsdurchfahrten und am Ende ein Weg, bei dem man kurz überlegt, ob man noch richtig ist. Genau die Art Fahrt, die wir bei unseren Landstraßentouren durch Brandenburg sowieso am liebsten mögen. Geparkt wird am Rand, ordentlich und ohne die Zufahrt zuzustellen – im Oktober ist dafür reichlich Platz, im Sommer nicht.

Beste Jahreszeit

Fürs Baden: Juni bis September, dann ist das Wasser warm genug und die Badestelle belebt. Für Ruhe: Oktober. Das Licht ist im Herbst deutlich schöner als im Hochsommer, das Laub färbt sich, und man teilt den See mit fast niemandem.

Ehrlich gesagt hat der Oktober auch Nachteile. Es wird früh dämmrig, der Wind über dem Wasser ist kühl, und wenn es geregnet hat, ist der Boden am Ufer matschig. Wer sich einen goldenen Herbstnachmittag vorstellt, sollte sich vorher den Wetterbericht anschauen – bei grauem Dauergrau ist Bad Erna im Oktober ziemlich trostlos. Bei Sonne dagegen genau richtig.

Kosten

Bei unserem Besuch war die Badestelle kostenlos zugänglich, wir haben keinen Eintritt bezahlt und auch keinen Automaten gesehen. Es gibt keine Gastronomie vor Ort, also auch keine Ausgaben für Kaffee oder Kuchen. Rechnet nur mit den Spritkosten für die Fahrt raus – und falls ihr auf dem Rückweg einkehrt, mit dem, was Landgasthof-Preise eben kosten. Stand unseres Besuchs im Oktober 2013; ob sich an der Zugänglichkeit inzwischen etwas geändert hat, prüft ihr besser kurz vor der Fahrt.

Unsere Tipps

Häufige Fragen

Kann man im Oktober in Bad Erna noch baden?

Theoretisch ja, praktisch machen es nur wenige. Das Wasser ist deutlich abgekühlt, und die Luft ist es meist auch. Wir sind bei unserem Oktoberbesuch nicht ins Wasser gegangen. Wer es versuchen will, sollte Handtuch, warme Wechselkleidung und eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen.

Gibt es vor Ort Gastronomie oder Toiletten?

Nein, auf Infrastruktur solltet ihr nicht zählen. Bad Erna ist eine einfache Badestelle ohne Kiosk und ohne verlässliche Sanitäranlagen. Plant eine Einkehr entweder auf dem Hin- oder Rückweg ein.

Lohnt sich die Fahrt auch ohne Badewetter?

Wenn ihr Ruhe suchen und einfach ein paar Stunden am Wasser sitzen wollt: ja. Wenn ihr Sehenswürdigkeiten, Wanderwege mit Beschilderung oder ein Café erwartet: nein. Dann sind größere Seen mit Uferwegen die bessere Wahl.

Ist Bad Erna gut mit dem ÖPNV erreichbar?

Nicht wirklich. Die Badestelle liegt abseits der Bahnstrecken, und Busverbindungen sind am Wochenende dünn. Wer ohne Auto unterwegs ist, sollte das Rad mitnehmen und die letzten Kilometer selbst fahren.