Seen & Gewässer

Parsteiner See – Klarwasser-Badesee bei Chorin

Von Jan Heinemann · 12. Juli 2026 · Zuletzt besucht: Juli 2026 · Region: Barnim & Schorfheide

Parsteiner See – Klarwasser-Badesee bei Chorin

Es gibt Seen in Brandenburg, an denen man ins Wasser geht und dabei die eigenen Füße sieht. Der Parsteiner See bei Chorin ist so einer – und zwar über eine erstaunlich lange Strecke, weil das Ufer am Strandbad so flach ausläuft, dass man erst nach etlichen Metern schwimmen kann. Für uns einer der schönsten Klarwasserseen im Land, und ein Ort, an dem sich ein Tag schnell wie Urlaub anfühlt.

Klares Wasser und ein sehr flacher Einstieg

Wir waren an einem Julisonntag da, früh, mit Kaffee. Das Erste, was auffällt: die Landschaft. Der See liegt in einer weiten, hügeligen Senke, drumherum Wald, Felder und ein paar sehr kleine Dörfer. Nichts Lautes, nichts Verbautes. Der Parsteiner See ist mit rund 10 Quadratkilometern einer der größeren Seen Brandenburgs, aber er wirkt nicht wie ein Massenziel – die Ufer sind über weite Teile Naturschutzgebiet, und man kommt gar nicht überall ran.

Das Wasser ist der Grund, warum wir wiederkommen. Kalkreich, nährstoffarm, sehr klar. Am Strandbad geht es so sanft hinein, dass Kinder gefühlt eine halbe Ewigkeit stehen können, bevor es tiefer wird. Wer zügig schwimmen will, muss also erst mal laufen. Uns hat das nicht gestört, im Gegenteil: Man watet raus, dreht sich um und hat den ganzen See vor sich, ohne dass jemand direkt neben einem paddelt.

Wer länger bleiben möchte, kann das tun. Direkt am See gibt es einen Naturcampingplatz – Wiese, Bäume, Wasser in Sichtweite. Wir haben nur gebadet und einen Nachmittag dort verbracht, aber man versteht sofort, warum Leute hier ihre Woche verbringen. Es ist eine dieser Ecken im Barnim, in denen Brandenburg plötzlich sehr nach Ferien aussieht.

Wir waren schon im Frühjahr hier, damals eher zum Anbaden im Parsteiner See bei deutlich unfreundlicheren Temperaturen. Im Juli ist es eine andere Veranstaltung: warm, voll genug für Betrieb, aber nie so voll wie am Liepnitzsee an einem Hochsommerwochenende.

Was in der Nähe liegt

Der große Vorteil des Parsteiner Sees ist die Nachbarschaft. Das Kloster Chorin ist nur ein paar Kilometer entfernt – norddeutsche Backsteingotik, halb Ruine, halb Konzertsaal, und für uns eines der schönsten Bauwerke in Brandenburg überhaupt. Wenn das Wetter kippt oder man nach drei Stunden Sonne genug hat, ist das der perfekte zweite Programmpunkt.

Auf der anderen Seite liegt Brodowin, das bekannte Ökodorf mit Hofladen und Käserei. Und wer noch weiter will: Der Werbellinsee ist in einer knappen halben Stunde zu erreichen. Man kann sich aus der Gegend also gut ein ganzes Wochenende bauen, ohne viel zu fahren.

Anfahrt

Mit der Bahn: Der RE3 (Berlin – Eberswalde – Angermünde – Stralsund) hält in Chorin. Vom Bahnhof Chorin sind es je nach Uferabschnitt rund 6 bis 10 Kilometer bis zum See – zu Fuß machbar, mit dem Rad deutlich angenehmer. Nehmt das Fahrrad mit, das lohnt sich hier doppelt, weil man dann auch Kloster Chorin und Brodowin ohne Auto verbinden kann.

Mit dem Auto: Ab Berlin über die A11 Richtung Prenzlau, Abfahrt Joachimsthal oder Chorin, dann über die Landstraßen Richtung Parsteinsee, Lüdersdorf oder Neuehütte. Reine Fahrzeit ab Berlin-Nordosten etwa eine Stunde. Am Strandbad und am Campingplatz gibt es Parkplätze; an heißen Wochenenden sind die mittags voll. Wildparken in den Dörfern ist keine gute Idee – die Zufahrten sind eng, und die Anwohner haben verständlicherweise wenig Geduld damit.

Die Anfahrt selbst gehört übrigens zum Ausflug. Alleen, Felder, kleine Ortsdurchfahrten – wir fahren die Strecke gern bewusst langsam, so wie bei unseren Landstraßenfahrten durch Brandenburg.

Beste Jahreszeit

Juli und August sind die offensichtliche Antwort: Das Wasser ist dann warm genug, das Strandbad hat geöffnet, der Campingplatz läuft. Wer Ruhe will, kommt im Juni oder Anfang September – die Wasserqualität ist dann genauso gut, die Wiese aber leerer.

Mai ist etwas für Hartgesottene. Klarwasserseen sind kalt, das ist Teil des Deals. Im Herbst und Winter fällt das Baden weg, dafür ist die Landschaft rund um den See mit dem Kloster Chorin ein sehr guter Spaziergang. Frühmorgens im Sommer ist unser Favorit: flaches Licht, kaum jemand da, das Wasser wie Glas.

Kosten

Der Zugang über das Strandbad kostet Eintritt – ein überschaubarer Betrag im niedrigen einstelligen Bereich pro Person, Stand unseres Besuchs im Juli. Parken wird teils separat berechnet. Für den Naturcampingplatz gelten eigene Tarife pro Nacht und Person; wer dort übernachten will, sollte im Hochsommer unbedingt vorher reservieren.

Weil sich Preise und Öffnungszeiten regelmäßig ändern, lohnt vor der Fahrt ein kurzer Blick auf die Seiten von Strandbad beziehungsweise Campingplatz. Geld mitnehmen: Kartenzahlung ist an der Kasse nicht selbstverständlich.

Unsere Tipps

Häufige Fragen

Wie klar ist das Wasser im Parsteiner See wirklich?

Sehr klar. Der See ist kalkreich und nährstoffarm, dadurch bleibt die Sicht auch im Hochsommer gut. Für Brandenburger Verhältnisse gehört er in die Spitzengruppe – vergleichbar mit dem Liepnitzsee, nur mit deutlich mehr Weite drumherum.

Ist der See für Kinder geeignet?

Am Strandbad ja, sehr. Der Einstieg ist extrem flach, man muss viele Meter waten, bis es tief wird. Genau das macht ihn für Familien angenehm – und für ambitionierte Schwimmer:innen etwas mühsam.

Kommt man ohne Auto hin?

Mit Einschränkung. Der RE3 hält in Chorin, von dort sind es aber noch einige Kilometer bis ans Ufer. Mit dem Fahrrad im Zug funktioniert es gut, zu Fuß wird es eine kleine Wanderung.

Kann man dort übernachten?

Ja, direkt am See gibt es einen Naturcampingplatz. Im Juli und August ist Reservierung dringend zu empfehlen. Wer es komfortabler mag, findet in Chorin und Umgebung Pensionen und Ferienwohnungen.