Grumsiner Forst im Oktober – Wanderung ab Altkünkendorf zum Buckowsee

Der Grumsiner Forst ist einer der wenigen Orte in Brandenburg, an denen man sich tatsächlich kurz fragt, in welchem Jahrhundert man gerade steht. Alter Buchenwald, UNESCO-Weltnaturerbe, Naturschutzgebiet – und im Oktober eine Farbpalette, gegen die jede Herbstdeko verliert. Wir sind an einem goldenen Oktobertag ab Altkünkendorf gelaufen, mit Waldsee, Kuchen und Dorfkirche auf der Strecke.
Warum dieser Wald etwas Besonderes ist
Der Grumsin gehört zur UNESCO-Welterbestätte „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas”. Das klingt sperrig, bedeutet aber konkret: Hier steht ein Buchenwald, der seit Jahrzehnten weitgehend sich selbst überlassen bleibt. Totholz bleibt liegen, Stämme sind moosbewachsen, zwischen den Buchen liegen kleine Senken mit Mooren und Seen – eine Eiszeitlandschaft, in die der Wald hineingewachsen ist.
Für Besucher:innen heißt das vor allem eins: Wegegebot. Man bleibt auf den markierten Wegen, kein Querfeldein, keine Abkürzung zum schönsten Baum. Das ist kein Schikane-Paragraf, sondern der Grund, warum der Wald noch so aussieht, wie er aussieht. Wer mehr über die Zusammenhänge wissen will, findet in Altkünkendorf einen Infopunkt zum Weltnaturerbe, und es gibt geführte Rangertouren – Termine stehen auf den Seiten des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin.
Unsere Runde: Wald, See, Kuchen, Dorf
Gestartet sind wir am großen Parkplatz in Altkünkendorf. Von dort geht es ziemlich direkt in den Wald hinein, und der Übergang ist erstaunlich abrupt: eben noch Dorfrand und Koppeln, dann hohe Buchen und dieses gedämpfte Licht, das durch das Laub fällt.
Im Oktober war der Boden komplett mit Laub bedeckt, die Wege dadurch stellenweise weich und etwas rutschig. Dafür war es sehr still. Wir haben auf dem ganzen Waldstück nur eine Handvoll anderer Menschen getroffen – das unterscheidet den Grumsin deutlich von bekannteren Ausflugszielen im Norden Berlins.
Über schmale Waldwege sind wir zum Buckowsee gelaufen, einem kleinen Waldsee mitten im Grün. Wir sind nicht zum ersten Mal da, und er ist jedes Mal wieder ein guter Grund, die Brotzeit genau hier auszupacken. Im Herbst steht das Wasser dunkel zwischen den gelben Buchen, kein Steg, kein Kiosk, keine Infrastruktur – nur Ufer und Ruhe. (Nicht zu verwechseln mit der Buckowseerinne bei Wandlitz, wo wir den Schöpfungspfad gelaufen sind; der Name ist in Brandenburg mehrfach vergeben.)
Zurück Richtung Ort haben wir im Louisenhof No. 2 Pause gemacht. Selbstgebackener Kuchen, Kaffee und jede Menge Kunst an den Wänden – ein Ort, an dem man länger sitzen bleibt als geplant. Das war nach dem Waldstück genau die richtige Reihenfolge: erst die Stille, dann der Kuchen.
Der letzte Abschnitt führt über eine alte Pflastersteinstraße zurück ins Dorf, vorbei an der Kirche von Altkünkendorf und an der Grumsiner Brennerei, die im Ort Obstbrände und Liköre produziert. Danach noch ein Stück entlang der Pferdekoppeln – und wir waren wieder am Parkplatz. Eine kompakte Halbtagestour, die erstaunlich viel unterbringt: Weltnaturerbe, Waldsee, Einkehr, Dorf.
Anfahrt
Mit der Bahn: Ab Berlin mit dem RE3 nach Angermünde, das dauert je nach Startbahnhof etwa eine Stunde bis eineinviertel. Von Angermünde weiter mit dem Regionalbus Richtung Altkünkendorf/Grumsin. Die Busse in der Uckermark fahren allerdings dünn getaktet und am Wochenende teils gar nicht – Fahrplan unbedingt vorher prüfen und die Rückfahrt mitplanen. Alternative: Fahrrad mit in den RE3 nehmen, ab Angermünde sind es rund 12 Kilometer über Land.
Mit dem Auto: Ab Berlin über die A11 Richtung Stettin, Abfahrt Joachimsthal oder Pfingstberg, dann über die Landstraßen nach Altkünkendorf. Reine Fahrzeit etwa eine Stunde. In Altkünkendorf gibt es einen großen Besucherparkplatz am Ortsrand, von dem aus die Wege in den Grumsin ausgeschildert sind. An schönen Herbstwochenenden kann es dort voll werden – früh losfahren hilft.
Beste Jahreszeit
Herbst, eindeutig. Oktober ist im Grumsin die Hauptsaison für Laubfärbung, und ein Buchenwald in der Sonne ist schwer zu toppen. Wer Ruhe will, kommt an einem Werktag oder früh am Morgen.
Aber auch sonst lohnt sich der Wald: Im April/Mai, wenn die Buchen gerade austreiben, leuchtet der ganze Wald hellgrün, dazu Buschwindröschen am Boden. Im Hochsommer ist es unter dem Blätterdach angenehm kühl – ein guter Ort für heiße Tage, auch wenn der Buckowsee kein Badesee mit Liegewiese ist. Im Winter wird es kahl und ziemlich nass, die Wege sind dann matschig; schön ist es bei Raureif oder Schnee trotzdem.
Feste Schuhe braucht man eigentlich immer. Nach Regen stehen auf den Waldwegen gern Pfützen.
Kosten
Der Besuch des Grumsiner Forsts ist kostenlos, Eintritt gibt es keinen. Auch der Parkplatz in Altkünkendorf war bei unserem Besuch gebührenfrei. Geld lässt man höchstens bei der Einkehr: Kaffee und Kuchen im Louisenhof No. 2 liegen im üblichen Rahmen für Landcafés, und in der Grumsiner Brennerei kann man Flaschen mitnehmen. Geführte Rangertouren durchs Weltnaturerbe kosten je nach Anbieter einen kleinen Beitrag – Infos dazu über das Biosphärenreservat.
Unsere Tipps
- Auf den Wegen bleiben. Im Kernbereich des Weltnaturerbes gilt striktes Wegegebot. Hunde an die Leine, Drohnen bleiben zu Hause.
- Proviant einpacken. Im Wald gibt es nichts, kein Kiosk, kein Wasser. Der Buckowsee ist der schönste Picknickplatz der Runde.
- Einkehr am Ende einplanen. Louisenhof No. 2 und die Grumsiner Brennerei liegen beide im Ort – bei kleinen Landbetrieben lohnt ein Blick auf die Öffnungszeiten vorab, besonders außerhalb der Saison.
- Route vorher aufs Handy laden. Die Beschilderung ist okay, aber die Waldwege sehen sich ähnlich. Wir hatten die Runde auf Komoot dabei.
- Kombinieren. Der Grumsin liegt gut erreichbar neben anderen Zielen im Biosphärenreservat – etwa Kloster Chorin oder einem Abstecher an den Parsteiner See. Wer gleich übernachten will, findet in der Umgebung ruhige Quartiere wie das Feriendomizil Alter Garten in Ringenwalde.
Häufige Fragen
Kann man den Grumsiner Forst ohne Führung besuchen?
Ja. Es gibt markierte Wanderwege, unter anderem ab Altkünkendorf, die frei begehbar sind. Abseits der Wege darf man sich im Weltnaturerbe-Kernbereich nicht bewegen. Geführte Rangertouren gehen teilweise in Bereiche, die man allein nicht betreten kann – für Interessierte lohnt sich das.
Wie lang ist die Runde ab Altkünkendorf?
Unsere Tour über den Buckowsee, zurück über die Pflastersteinstraße und die Koppeln war eine gemütliche Halbtagestour mit Einkehr. Es gibt mehrere Varianten unterschiedlicher Länge ab dem Parkplatz – vor Ort hängen Übersichtstafeln, und die genaue Strecke haben wir auf unserem Komoot-Account dokumentiert.
Kann man im Buckowsee baden?
Der Buckowsee liegt im Naturschutzgebiet und ist kein ausgewiesener Badesee – kein Steg, keine Liegewiese, kein Zugang über eine Badestelle. Wir empfehlen, ihn einfach anzuschauen. Zum Baden in der Uckermark gibt es passendere Ziele, etwa die Badestelle Am Quast am Oberuckersee.
Ist die Tour mit Kinderwagen machbar?
Eher nicht. Die Waldwege sind schmal, wurzelig und im Herbst laubbedeckt. Mit Kraxe oder laufstarken Kindern geht es gut, mit Buggy wird es mühsam.



















