Nonnenfließ im Herbst – 11,6 km von Breydin zum Liesenkreuz

Ein kleiner Bach, der sich durch ein eingeschnittenes Waldtal schlängelt, dazu goldenes Laub und fast kein Mensch: Das Nonnenfließ gehört zu den Orten im Barnim, an denen man ohne großen Aufwand das Gefühl bekommt, weit weg von Berlin zu sein. Wir sind im Oktober von Breydin bis zum Liesenkreuz und wieder zurück gelaufen – 11,6 Kilometer, viel Waldboden, wenig Steigung, und das leise Plätschern als Dauerbegleitung.
Das Erlebnis
Das Nonnenfließ entspringt südlich von Tuchen bei Breydin und mündet bei Spechthausen in die Schwärze. Geologisch ist das Tal ein Kind der letzten Eiszeit, entstanden vor rund 15.000 Jahren – was man ihm ansieht: Der Bach liegt deutlich tiefer als das umgebende Gelände, die Hänge sind steil, der Wald drängt bis ans Ufer. Heute ist das Ganze Naturschutzgebiet Nonnenfließ-Schwärzetal und Teil des Naturparks Barnim.
Wir sind in Breydin gestartet und erst über Feld- und Waldwege ins Tal hinein. Sobald man unten am Bach ist, ändert sich alles: Es wird kühler, stiller, feuchter. Der Pfad folgt dem Fließ mal auf der einen, mal auf der anderen Seite, über kleine Holzbrücken und an umgestürzten Stämmen vorbei, die liegen bleiben dürfen. Im Oktober lag das Laub knöcheltief auf dem Weg, das Licht kam nur in Streifen durch die Buchen. Wir haben auf elf Kilometern vielleicht eine Handvoll anderer Leute getroffen.
Wendepunkt war das Liesenkreuz. Dahinter steckt eine Sage: In einem Kloster in der Gegend soll die Pest gewütet haben, nur eine einzige Nonne überlebte. Aus Trauer habe sie an dieser Stelle ein Kreuz errichtet – und ihr Schicksal soll dem Bach seinen Namen gegeben haben. Ob das historisch irgendetwas hergibt, sei dahingestellt. An einem nebligen Herbstnachmittag im Talgrund funktioniert die Geschichte jedenfalls gut.
Der Rückweg führte uns teils oberhalb des Tals entlang, mit Blick von der Kante hinunter auf den Bach. Insgesamt eine unaufgeregte Wanderung ohne spektakuläre Aussichtspunkte – wer einen großen See oder ein Ausflugslokal am Weg erwartet, ist hier falsch. Wer gerne drei Stunden lang nichts außer Wald, Wasser und Vogelstimmen hat, richtig.
Ein Hinweis, den wir selbst unterschätzt haben: Die Wege im Talgrund sind streckenweise schmal, wurzelig und nach Regen richtig matschig. Das ist kein Spazierweg für Stadtschuhe, und mit Kinderwagen kommt man im unteren Abschnitt nicht durch.
Wer den Barnim-Ausflug verlängern will: Das Kloster Chorin liegt knapp eine Viertelstunde nördlich mit dem Auto, und in Eberswalde selbst lohnt sich der Forstbotanische Garten – auch außerhalb der Weihnachtszeit.
Anfahrt
Das Nonnenfließ liegt im Landkreis Barnim zwischen Breydin/Tuchen im Norden und Spechthausen bei Eberswalde im Südosten, rund 50 Kilometer nordnördöstlich von Berlin.
Mit ÖPNV: Ehrlich gesagt ist die Anbindung dünn. Am einfachsten geht es über Eberswalde: RE3 ab Berlin Hauptbahnhof oder Gesundbrunnen, dann mit dem Regionalbus Richtung Spechthausen – von dort erreicht man das untere Ende des Fließes zu Fuß. Die Nordseite bei Tuchen/Breydin lässt sich über die Heidekrautbahn RB27 ab Berlin-Karow Richtung Klosterfelde angehen, danach braucht man aber Bus, Rad oder lange Beine. Fahrpläne vorher prüfen, am Wochenende fährt wenig. Wer flexibel ist, macht statt der Rundtour eine Streckenwanderung von Breydin nach Spechthausen und fährt ab Eberswalde zurück.
Mit dem Auto: Über die A11 Richtung Prenzlau, Abfahrt Finowfurt oder Eberswalde, dann auf Landstraßen Richtung Spechthausen beziehungsweise Tuchen/Breydin. Geparkt wird am Ortsrand – große Wanderparkplätze mit Infotafel gibt es nur vereinzelt, Zufahrten zu Waldwegen bitte freihalten. Fahrzeit ab Berlin-Mitte: gut eine Stunde.
Beste Jahreszeit
Herbst, ganz klar. Buchenlaub, tief stehendes Licht, Nebel über dem Bach – im Oktober und November sieht das Tal am besten aus, und die Wege sind noch begehbar. Der Frühling ist die zweite gute Wahl: Buschwindröschen, frisches Grün und ein Bach, der nach der Schneeschmelze mehr Wasser führt.
Im Hochsommer ist das schattige Tal angenehm kühl, aber auch mückenreich, und der Bach führt in trockenen Jahren wenig Wasser. Der Winter ist okay, wenn es gefroren ist – bei Tauwetter wird der Talweg zur Rutschpartie. Nach längerem Regen generell feste, wasserdichte Schuhe einpacken.
Kosten
Die Wanderung kostet nichts. Kein Eintritt, keine Parkgebühr an den Stellen, an denen wir standen (Stand unseres Besuchs im Oktober). Ausgaben entstehen nur für Anfahrt und Verpflegung – und die sollte man mitnehmen, denn direkt am Fließ gibt es keine Einkehr.
Unsere Tipps
- Proviant und Wasser einpacken. Auf der Strecke gibt es keine Gastronomie und keine Kioske. Einkehren kann man erst wieder in Eberswalde oder in den Dörfern.
- Feste Schuhe, am besten knöchelhoch. Der Talweg ist wurzelig, stellenweise schmal und nach Regen richtig schlammig.
- Auf den Wegen bleiben. Das Ganze ist Naturschutzgebiet, die Hänge sind empfindlich und teilweise rutschig. Hunde an die Leine.
- Früh starten im Herbst. Im Talgrund wird es deutlich schneller dunkel als auf freiem Feld – im Oktober waren wir froh, vor 17 Uhr zurück zu sein.
- Kombinieren lohnt sich. Wer noch Lust hat, hängt eine kurze Runde im Barnim dran, etwa den Schöpfungspfad in der Buckowseerinne oder die Wukensee-Runde bei Biesenthal.
Häufige Fragen
Wie lang ist die Wanderung am Nonnenfließ?
Unsere Runde von Breydin zum Liesenkreuz und zurück war 11,6 Kilometer lang. Dafür sollte man mit Pausen drei bis vier Stunden einplanen. Kürzere Varianten sind möglich, indem man nur einen Abschnitt des Tals geht und früher umkehrt.
Woher kommt der Name Nonnenfließ?
Der Sage nach überlebte in der Gegend nur eine einzige Nonne eine Katastrophe und errichtete aus Trauer an der Stelle des heutigen Liesenkreuzes ein Kreuz. Ihr Schicksal soll dem Bach den Namen gegeben haben. Belegt ist das nicht – es ist eine Legende, die zur Stimmung des Tals passt.
Ist die Strecke für Kinder oder Kinderwagen geeignet?
Für Kinder, die ein paar Kilometer laufen können, ja – das Bachtal mit seinen Brücken und Furten ist genau ihr Ding. Mit Kinderwagen kommt man im unteren, schmalen Talabschnitt nicht weiter; eine Kraxe ist die bessere Wahl.
Kann man im Nonnenfließ baden?
Nein. Das Nonnenfließ ist ein schmaler, flacher Bach im Naturschutzgebiet, kein Badegewässer. Wer schwimmen will, fährt im Barnim besser an den Parsteiner See oder den Liepnitzsee.



















